Der Kampf um das Düsseldorfer Schauspielhaus

2017 schaut das Theatermuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf auf 70 Jahre zurück. 1947, zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übergab der Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter Gustav Lindemann das Archiv des Schauspielhauses Düsseldorf an die Stadt Düsseldorf und begründete damit das Dumont-Lindemann-Archiv, aus dem 1981 das heutige Theatermuseum hervorging.

Die erste Ausstellung des Jubiläumsjahres widmet das Düsseldorfer Kulturinstitut bis zum 4. Juni dem Düsseldorfer Schauspielhaus und seinem weltbekannten Gebäude. Unter dem Titel „Der Kampf ums Düsseldorfer Schauspielhaus. Wie eine Architekturikone entstand" zeigt die Schau im Theatermuseum aus eigenen Beständen aber auch mit Unterstützung des Stadtarchivs mit Fotos, Dokumenten, Presseartikeln und Videos die Entstehungs- und Baugeschichte.

Die Ausstellung hat zudem einen ganz aktuellen Bezug. Gab es doch im vergangenen Jahr wegen der vermutlich immensen Kosten für die neuerliche Renovierung und Restaurierung des Theaterbaus im Zentrum der Stadt erneut einen Kampf, der streckenweise sogar an einen Kulturkampf erinnerte, als SPD-Oberbürgermeister Thomas Geisel plötzlich die Idee eines Auszugs des Schauspielhauses und einer anderweitigen Nutzung des Gebäudes aus dem Hut zog und dafür bundesweit Negativ-Schlagzeilen einfuhr.

Die Gründung des Düsseldorfer Schauspielhauses geht auf Gustaf Gründgens zurück. Durch seine Initiative wurde die Sparte Schauspiel 1951 aus dem Verband der „Städtischen Bühnen" gelöst und zur „Neuen Schauspiel GmbH" umgewandelt. Gesellschafter waren die Stadt Düsseldorf, das Land NRW und anfänglich auch noch der Deutsche Gewerkschaftsbund. Als Spielort wählte Gründgens zunächst das ehemalige „Operettenhaus" an der Jahnstraße, das nach Zerstörung und Wiederherrichtung zum Spielzeitbeginn 1951/52 als „Düsseldorfer Schauspielhaus" eröffnet wurde.

Dieses Haus blieb aufgrund seiner begrenzten Möglichkeiten ein Provisorium und wurde vom Ensemble liebevoll „Die Scheune" genannt. Gründgens- Nachfolger Karl Heinz Stroux legte Gründgens ans Herz, für einen funktionalen wie repräsentativen Neubau zu kämpfen. Stroux‘ erste Überlegungen reichen in seine erste Spielzeit 1955 zurück.

Nach einer öffentlichen Diskussion über mögliche Standorte, schrieb die Stadt 1959 einen bundesweiten Architektenwettbewerb für ein neues Theater aus. Das sollte ein reines „Spielhaus" ohne Werkstätten, Magazine oder Ateliers werden. Mit zwei Spielstätten, eine großer Bühne mit einer Zuschauerkapazität von 1.200 Personen sowie einer Studiobühne für 300 bis 400 Besucher. Aus 70 eingereichten Vorschlägen gingen die von Richard Neutra, Ernst F. Brockmann und Bernhard Pfau als Favoriten hervor.

Der Entwurf von Pfau für den Gustaf-Gründgens-Platz sollte sich schließlich durchsetzen. Die Jury würdigte die Idee als „großformatige, plastische Form von origineller Selbständigkeit" und beschrieb deren Form als „vertikale Gliederung der Massen in drei, zum Teil vier scheibenartige Gebilde". Qualitativ wird festgestellt: „Die zylindrische Form bildet einen wohltuenden Kontrast zu der monolithischen Form des Hochhauses". 1965 erfolgte die Grundsteinlegung.

Die Eröffnung des Düsseldorfer Schauspielhauses im Januar 1970 geriet zu einer logistischen Herausforderung, bei der die Verantwortlichen der Stadt sich Unmut von allen Seiten zuzogen. Zur Eröffnungspremiere von Büchners Dantons Tod waren für die geladenen Ehrengäste aus Stadt und Land nicht genügend Plätze vorhanden. Düsseldorfer Bürger konnten keine Karten für die Premiere erwerben und selbst das Ensemble wurde nicht geladen.

Vor wenigen Tagen erwarb die Stadt Düsseldorf die Rechte an dem berühmten Theaterbau für 750.000 Euro vom Sohn des Architekten Bernhard Pfau. Das Geld wird - vorbehaltlich der Zustimmung des Stadtrates am 2. Februar - als Ausgleich gezahlt, um dem Erbe den Verzicht auf das Urheberrecht schmackhaft zu machen, das normalerweise erst 70 Jahre nach dem Tod des Architekten eintritt. Bernhard Pfau war 1989 gestorben.

Das Schauspielhaus, das seit Mitte vergangenen Jahres wegen kostspieliger Reparatur- und Restaurierungskosten für mehrere Jahre nicht bespielbar ist, ist derzeit eine Baustelle. Die Kosten für Arbeiten am Dach und an der Fassade werden auf 15 Millionen Euro plus 40prozentigem Kostenrisiko geschätzt. Die Kosten für die neue Haustechnik belaufen sich satt der ursprünglich veranschlagten elf auf nunmehr rund 21 Millionen Euro.  – Andreas Rehnolt