Das Düsseldorfer Kommödchen wird 70!

Deutschlands langlebigste Kabarettbühne, das Düsseldorfer Kommödchen, feiert seinen siebzigsten Geburtstag. Am 29. März 1947 hatte das allererste Programm des Kabaretts unter dem Titel "...positiv dagegen!" Premiere. Als die von Kay und Lore Lorentz gegründete Bühne das Licht der Welt erblickte, lag Düsseldorf, wie fast ganz Deutschland und weite Teile Europas noch in den Trümmern des Zweiten Weltkrieges.

Im Hinterzimmer einer Kneipe und mit reichlich Improvisation begann das Duo mit Unterstützung unter anderem eines Journalisten, eines Regisseurs, eines Malers und des Kirchenmusikers Emil Schuchardt mit seinem literarischen Kabarett. Publikum und Presse waren begeistert vom ersten Programm, dem allein 1947 noch drei weiter folgten.

Über viele Jahre hinweg gab's zum Schluss ein vom Ensemble vorgetragenes Liedchen mit dem Text: "Wenn es dem Kommödchen nicht gefällt, was sich so ereignet in der Welt, immer, immer wieder zieht's den Vorhang bieder und singst seine kleinen, frechen Lieder." Die waren teils so frech, dass die TV-Übertragungen des Programms 1959 auf Intervention des damaligen Verteidigungsministers Franz Josef Strauß (CSU) für ein Jahr untersagt wurden. Zwanzig Jahre nach der Gründung zog das Kabarett in neue, größere Räume in der damals neu erbauten Kunsthalle in der Altstadt um, wo es seither residiert.

Der Biss der Nachkriegsjahre ist inzwischen lange vorbei. Aber - im Gegensatz für viele andere Kabarett-Bühnen ist das Kommödchen immer noch existent. Nachdem in der ersten Hälfte der 1990er Jahre das Gründer-Ehepaar starb, übernahm 1993 Sohn Kay Sebastian Lorentz die Leitung. Fast hätte die traditionsreiche Bühne nicht überlebt. Aber Lorentz schaffte es. Er setzt bis heute nicht mehr auf Aufklärung, sondern vielmehr auf "intelligente Unterhaltung".

Es gibt ein dreiköpfiges Ensemble, das beim Publikum seit Jahren sehr beliebt ist. Zudem gibt es in dem Haus mit immerhin 200 Plätzen immer wieder Gastspiele. Alle großen Namen der deutschsprachigen Kabarettszene sind regelmäßig zu erleben. Auch damit punktet das Kommödchen, das auch nach sieben Jahrzehnten kess, frisch und auch immer noch gerne frech auftritt. "Man kann den Leuten bei der medialen Versorgung heute nichts Neues mehr erzählen", sagt Lorentz. Dafür zieht das Live-Erlebnis das Publikum an, dass TV-Kabarettisten auch mal hautnah erleben will.

Und wer da alles zu sehen war, in den vergangenen Jahrzehnten. Unvergessen der Wortakrobat, Dichter und Sänger Hanns Dieter Hüsch, Jochen Busse, Ernst Hilbich, der spätere TV-Entertainer Harald Schmidt, Thomas Freitag, Werner Schneyder, Volker Pispers, Anka Zink, Mathias Richling oder auch der Schweizer Emil Steinberger und natürlich noch Viele mehr

Am Abend des siebzigsten  Geburtstags gibt das Ensemble das Stück "Deutschland gucken". Natürlich geht es um Fußball, aber auch um das infrage stellen von jahrelangen Freundschaften, um Identitäten, Lebensentwürfe und das Nationalgefühl. Natürlich geht es auch um die Frage, ob man in Deutschland patriotisch sein darf oder ob man dann gleich ein Nationalist ist. Und spätestens da wird sich zeigen sich, dass das Kommödchen auch heute noch politisch ist, auch wenn es inzwischen anders verpackt wird.

Im Juli gibt es ein Special im Kommödchen. Ensemblemitglied Christian Ehring wird zu diesem Anlass in einem 30-minütigen Kurzprogramm die Geschichte des Hauses erzählen. „Kurz und knackig, lediglich unterstützt von einer matten Scheibe, die historische und aktuelle Schnipsel zeigen wird", so Lorentz  - Andreas Rehnolt