Tanzperformance über das Anderssein feierte Europapremiere in Düsseldorf

Ahnsim Dance lautet der Titel der Tanzperformance über das Anderssein, die am 26. und 27. September Europapremiere beim Düsseldorf-Festival feierte. Das Publikum applaudierte den insgesamt 14 sehenden und blinden Tänzerinnen und Tänzern begeistert und minutenlang im Festivalzelt im Herzen der Düsseldorfer Altstadt. Die südkoreanische Choreografin Eun-Me Ahn begeisterte mit dem ersten Stück ihrer neuen Trilogie zum Thema „Different People“.

Auf der Bühne agierten rund 75 Minuten lang acht sehende und sechs blinde Tänzerinnen und Tänzer miteinander und erzählten dabei mit sehr ausdrucksstarker Körpersprache eine eindringliche Geschichte über das Anderssein und über die Schwierigkeiten im alltäglichen Leben derjenigen, die ohne Augenlicht am Rande der Gesellschaft auskommen müssen.

Auf der Bühne strahlten auch die sehbehinderten oder gänzlich blinden Akteurinnen und Akteure ihre ganze Stärke und Persönlichkeit aus und ließen das Publikum nicht selten sogar lächeln und lachen über die Darbietungen, die nie auch nur ansatzweise peinlich oder gekünstelt wirkten. Die farbenfroh und lautstark auch mit koreanischen Übersetzungen der Tänzerinnen und Tänzer transportierten am Ende sogar mit einem fantastischen Freudentanz des gesamten Ensembles unendliche Zuversicht und Lebensfreude.

Eun-Me Ahn begann mit zwölf Jahren eine Tanzausbildung im traditionellen koreanischen Tanz. 1994 graduierte sie an der NYU Tisch School of the Arts in New York. Die mehrfach ausgezeichnete Tänzerin und Choreografin, die in Düsseldorf mit kleinen südkoreanischen Flaggen auch selbst in ihrer Inszenierung mitwirkte, gilt längst nicht nur in ihrem Heimatland als Ausnahmeerscheinung.

Auch die mal schwarz-weißen, später rot, grün und blau gepunkteten Kostüme der Akteure passten hervorragend. Gezeigt wurde unter anderem, wie gut Gemeinschaft funktionieren kann, wenn alle Vorurteile beiseite gelassen werden und Menschen mit und ohne Handicap auf der Bühne zusammen agieren und sich im schönsten Sinne des Wortes austoben können.

Zwischendurch erfuhren die Zuschauer auch Einzelheiten aus den Schicksalen der blinden Tänzerinnen und Tänzer. Etwa wie es zu ihrer Erblindung kam und wie sich sich damit im südkoreanischen Alltag in Schule, Freizeit, Verkehr und Beruf bewegen. Zudem wurden auch Ängste, Träume, Befürchtungen und Sehnsüchte in dem Stück zum Thema „tanzen wie die anderen“ aufgegriffen und angesprochen. – Andreas Rehnolt