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Shakespeare-Rapper aus Chicago beim Neusser Shakespeare-Festival vom 7. Juni bis 7. Juli

Das diesjährige Shakespeare-Festival im rheinischen Neuss startet am 7. Juni im hölzernen Nachbau des Londoner Globe-Theaters. Zum Auftakt zeigt die Bremer Shakespeare-Company das Stück King Charles III.. Dabei handelt es sich nach den Worten von Festivalleiter Rainer Wiertz um ein „hypothetisches Königsdrama mit komödiantischen Akzenten“, das Mike Bartlett erdacht hat.

Es handelt von den Macht-Querelen nach dem Tod der derzeit amtierenden britischen Königin, Elisabeth II., bei der „auch der Geist von Lady Diana“ über der Bühne schweben wird, so Wiertz. In England wird das Stück bereits gefeiert, hieß es bei der Programm-Vorstellung der inzwischen 28. Ausgabe des Festivals. Bis zum 7. Juli gibt es insgesamt 14 unterschiedliche Inszenierungen zu erleben.

Die Schauspielgruppen kommen aus mehreren deutschen Städten, aber auch aus den USA, England, Polen, Österreich und Spanien. Zudem gibt es den 1921 entstandenen legendären Stummfilm Hamlet der Regisseure Svend Gade und Heinz Schall, produziert von Asta Nielsen mit neuer Live-Musik-Begleitung sowie zum zweiten Mal in der Geschichte des Festivals einen Kinder-Shakespeare Tag. Hamlet war unter anderem der erste Publikumserfolg eines deutschen Films in den USA nach dem 1. Weltkrieg.

Den weitesten Weg zum Festival legt diesmal eine Schauspieltruppe aus dem amerikanischen Chicago zurück. Die Q-Brothers aus der US-Metropole kommen mit Q-Gents (Zwei Herren aus Verona) und bringen diesen Shakespeare natürlich mit ihren eigenen Texten gerappt auf die hölzerne Bühne des eckigen Theaters. Die beiden Darsteller schlüpfen laut Wiertz in den 75 Minuten Spieldauer in sämtliche 20 Rollen des Stücks und lernen als  Highschool-Footballstars Proteus und Valentine eine Menge um Liebe, Treue, Freundschaft und Untreue. 

Aus England kommt die Tobacco Factory an den Rhein und zeigt Henry V. Das Stück erfordert reichlich Phantasie beim Publikum, betonte Wiertz. Geht es doch um nicht weniger, als den Triumph der Engländer trotz eines winzigen Heeres beim Eroberungsfeldzug gegen Frankreich. Die Regie des Stücks führt Elizabeth Freestone, die über Erfahrungen mit dem Londoner Globe-Theater verfügt. Ebenso very britisch: Das Flute Theatre mit der Twelfth Night, in der laut Wiertz „allerlei erlaubt war, das sonst nicht erlaubt ist.“

Die Theaterachse aus Salzburg inszeniert einen märchenhaften Der Sturm für Zuschauer ab 12 Jahren. Das Rheinische Landestheater aus der Festivalstadt Neuss zeigt den vor Eifersucht rasenden Othello. Die Shakespeare Company Berlin kommt mit dem Kaufmann von Venedig als „Dark Comedy“. Nach den Worten von Wiertz wird es in den 150 Minuten Spielzeit im Neusser Globe auch ein „Aqua Alta“ auf der Bühne geben.

In Queens - You can´t always get what you want! garantiert Bea von Malchus einen geistreichen und scharfzüngigen Soloabend um Elisabeth I. und den Kampf um den britischen Thron. Aus der katalonischen Hauptstadt Barcelona reist die „berühmteste Liebesgeschichte der Welt“ an den Rhein. Das Projecte Ingenu zeigt ihre spanische Version von Romeo y Julieta

Das polnische Teatre Papahema zeigt eine freche Inszenierung der Widerspenstigen Zähmung, in der zudem herrliche Kostüme und auch Musik zu genießen sein werden. Hier werden nach Veranstalterangaben erprobte Grenzen sowie Rollen und Geschlechtertausch „metrosexuell verwischt.“ Eine perfekte Fusion aus Pop und Kammermusik, Jazz und Klassik, Soul und Folk verspricht Janina Schultz und Mellow Melange mit Nimm mich hin. Dein Will!

Shakespeares Sonette sind vertont, gesungen, gesprochen, getanzt, gefiedelt, getrommelt und geblasen zu erleben. Laut Wiertz eignet sich der musikalisch-literarische Abend auch „als Einstiegshilfe für Shakespeare-Unkundige“. Jeweils rund fünfhundert Zuschauer können an den Nachmittagen oder Abenden des Festivals Shakespeare ganz nah erleben. Die Preise für die diesjährigen Festivalkarten liegen zwischen 20 und 44 Euro wobei es auch Ermäßigungen gibt. Erwartet werden wieder rund 15.000 Besucher aus nah und fern.

Der Vorverkauf startet am 17. März. Karten gibt es bei den Vorverkaufsstellen, unter der Telefon-Nummer: 02131-52699999 oder im Internet. – Andreas Rehnolt