Übrigens …

Verstorbene Rock-Helden erleben Wiedergeburt

„Wen die Götter lieben, den holen sie früh zu sich“, weiß die Antike. Eigentlich kein Wunder, wenn man die griechische Götterwelt kennt, die durchwirkt ist von Götter-Lieblingen und Intrigen. Pingelig waren die Zeus-Adepten jedenfalls nie. Dass Roms Komödiendichter Plautus nicht nur den Spruch, sondern auch die Götterwelt noch kannte, ist beurkundet. Und das ums Jahr 200 v. Chr.

Ob der Aphorismus auch noch über 2000 Jahre später Gültigkeit haben könnte? Es ist jedenfalls verblüffend, dass es im 20. Jahrhundert sechs der bekanntesten Rock-Stars „gelungen“ ist, im 27. Lebensjahr das Zeitliche zu segnen, also in die Götterwelt überzusiedeln. Als da sind Jim Morrison (1971) und Jimi Hendrix (1970), Brian Jones (1969) und Janis Joplin (1970), Kurt Cobain (1994) und Amy Winehouse (2011). Ein Sextett, das es in sich hatte. Vor allem Musik. Aber auch Alkohol und Drogen, Heroin und „betäubende Substanzen“ - wie die göttliche Todesursache etwa für Jimi Hendrix lautete.

Ob sie auf dem Drogen-Olymp nun beisammen sitzen und Musik machen, ist nicht bekannt. Bekannt ist freilich, was clevere Musik-Manager aus diesem 27-er Club gezaubert haben: eine Rock-Revue namens The 27 Club, erfunden und gestaltet von Autor und Regisseur Toby Gough. Als Hommage an die Stars von einst - wie es heißt. Derzeit lassen nun 13 sehr lebendige Musiker der Jetzt-Zeit die Legenden in der Rock-Show wiederaufleben. Ein wenig lässt das freilich auch an eine Todes-Fuge denken, in der großer Stars gedacht wird. Doch die zur Zeit, Gäste des 31. „Kölner Sommerfestivals“, in der Philharmonie der Domstadt die Rock- und Pop-Helden wieder lebendig werden lassen, sind quietschfidel.

In den Abend startet Robert Johnson mit seinem Gitarren-Solo „Cross Road Blues“, Amy Winehouse wird ihn mit „Back to Black“ beenden. Beide stimmlich und optisch bestens vertreten. Johnson, bereits 1938 mit 27 gestorben, durch Alix Anthony, der später auch Jimmi Hendrix` Stimme und Stil mit „Voodoo Child“ auf die Bühne bringt, während sich Roo Savill in die Rolle der Amy Winhouse singt und spielt. Zwischen diesen Polen, sowohl stilistisch wie zeitlich, zaubert Tor Hills Janis Joplin ( mit „Piece of My Heart“) wieder ins Leben zurück. Schließlich springt und räkelt sich Alexandru Munteanu wie einst Jim Morrison (mit „Light My Fire“) auf der Bühne der Kölner Philharmonie.

Der unterhaltsame und zeitweise sogar fesselnde Abend wäre aber nur die Hälfte wert, gäbe nicht Marion Campbell als Moderatorin den Ton vor. Und der ist ebenso rau wie voller Emphase. Schmeißt sie doch nicht nur ihren voller Kraft und Musikalität vibrierenden Körper in die Waagschale. Sie kann auch singen - und das nicht schlecht. Mit ihrer tiefdringenden Stimme lässt sie die wiederbelebten Stars der Vergangenheit geradezu zu Mythen gerinnen.

Da darf dann freilich auch der unverständliche Schwachpunkt der Schau nicht unerwähnt bleiben: Ist doch die „Körperarbeit“ der sich auch als Cheerleaderinnen gerierenden Tänzerinnen, die offenbar Erotik, vielleicht sogar Sex in die Szenen einfließen lassen sollen - Achtung! „Sex, Drugs & Rock 'n' Roll“ - einfach nur albern. Mehr noch: Sie sorgen für völlig unnötige Stil- und Geschmacksbrüche an einem nach 2 1/2 Stunden mit stehenden Ovationen belohnten Star-Abend. - Günther Hennecke

(noch bis 12. August 2018)