Mit "Krabat" wird Marionettentheater zur gruseligen Mühle am schwarzen Wasser

Krabat nach dem Erfolgsroman des Geschichtenerzählers Otfried Preußler steht wieder auf der Bühne des wunderschönen Marionettentheaters in der Düsseldorfer Altstadt. Auch fünfunddreißig Jahre nach der Premiere hier verzaubert die unheimliche und zugleich wunderschöne Erzählung der Müllerburschen auf der gruseligen Mühle am schwarzen Wasser immer noch die großen und auch die kleinen Zuschauer.

Der 2013 verstorbene Autor hatte den von Barbara Gambke für den Theaterleiter Anton Bachleitner dramatisierten Text noch persönlich autorisiert. Das Stück mit seinem Thema der bis an die Grenzen der Existenz gehenden Auseinandersetzung eines jungen Menschen mit den Verlockungen der Macht und deren Überwindung durch Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Liebe und Opfermut ist zeitlos und hatte seit 1983 bereits über 500 Vorstellungen, wie Bachleitner betont.

In der rund neunzigminütigen Inszenierung überzeugt Krabat sowohl mit den Texten, die von Sprechern eingelesen wurden, der Figurenführung und dem faszinierenden, mehrfach wechselnden Bühnenbild. Die Köpfe der Marionetten sind kantig und großflächig geschnitzt. Die Augen sind hohl, die Hände riesig. Insgesamt sechs Müllerburschen arbeiten in der Mühle.

Besser gesagt, sie schuften tagein, tagaus, ständig beobachtet und angetrieben vom Meister der Mühle, der einen Pakt mit dem „Gevatter", einer riesigen gesichtslosen Figur in roter Robe geschlossen hat. Dafür, dass der ihm täglich neue Säcke mit Korn vor die Mühle zaubert, muss jedes Jahr einer der Müllerburschen sterben. Stets ist es der Geselle, der die vom Meister gelehrte schwarze Magie am besten beherrscht. Denn der Müller duldet niemand an seiner Seite.

Als die Reihe zu sterben an Krabat kommen soll, macht ihm der verschlagene und heuchlerische Müller das Angebot, statt seiner die Mühle zu bewirtschaften. Als der ablehnt, soll ein Mädchen aus dem Dorf, das er zuvor im Wald kennen gelernt hat, ihn aus einer Reihe von sechs Raben herausfinden. Schafft sie es, stirbt der Meister, kann sie es nicht, müssen sie und Krabat sterben und der Müller könnte sein grausiges Geschäft mit dem „Gevatter" fortführen.

Neunzig Minuten tolles Figurentheater, die Bewegungen der Marionetten sind präzise und die einzelnen Figuren der Geschichte sind in ihrem Auftreten hervorragend. Und die kleine Bühne verwandelt sich mal in den Außenbereich der Mühle, mal in den nächtlichen Wald mit gespenstischen Traumszenen oder auch in eine kleine Dorfkirmes. Einzig, dass die ein oder andere Stimme manchmal zu leise vom Band kommt, ist zu bemängeln. Doch das der Begeisterung der Zuschauer keinen Abbruch. Insgesamt drei mal mussten die fünf Marionettenspielerinnen und -spieler zum Schlussapplaus auf die Bühne. - Andreas Rehnolt