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NRW-Erklärung von Kulturschaffenden gegen Rechts

Kunst und Kultur stehen immer an der Seite der Opfer, der Verfolgten", betonte am Freitag der Generalintendant des Schauspielhauses Düsseldorf, Wilfried Schulz, bei der Vorstellung der NRW-Erklärung der Vielen vor der Presse in der Landeshauptstadt. In der Erklärung, die von über 50 Kulturinstitutionen an Rhein und Ruhr unterzeichnet wurde, wird der Zusammenhalt von Kunst und Kultur als Teil des zivilgesellschaftlichen Engagements gegen rechtspopulistische sowie völkisch-nationale Strömungen artikuliert.

Wir sind im Theater Spezialisten für eine Kategorie, die leider in der Gesellschaft immer mehr verloren geht. Wir trainieren nämlich Empathie und fordern unsere Besucher mit unseren Programmen auf, sich dazu zu verhalten und zu positionieren", erklärte Schulz. Theater laden nach seinen Worten „zu hoher emotionaler Beteiligung ein und stellen Modelle vor, wie wir leben und wie wir leben wollen." 

Kunst schafft einen Raum zur Veränderung der Welt", heißt es in der mehrseitigen und mehrsprachigen Erklärung der NRW-Kultureinrichtungen. Die Direktorin des Duisburger Lehmbruck Museums, Söke Dinkla, erklärte am Freitag: „Kunst ist Leben. Beides ist nicht ohne einander denkbar. Und Kunst ist auch Handeln." Dinkla räumte ein, viele Kunst- und Kultureinrichtungen hätten „eine gewisse Selbstzufriedenheit."

 Am 80. Jahrestag der NS-Pogromnacht von 1938 sagte die Museumschefin, sie fühle sich durch die zunehmende Intoleranz, Ausgrenzungen und Aggressivität von rechts an die Zeit des Nationalsozialismus erinnert. „Gerade deshalb müssen wir als Kulturschaffende unsere Stimme lauter werden lassen und mit dafür sorgen, dass sich Geschichte nicht wiederholt." Dazu müssten Kunst und Kultur neue Wege gehen, "für eine Gesellschaft, die nicht immer einfach ist", so Dinkla weiter.

 Die Unterzeichner der NRW-Erklärung der Vielen betonten, es gehe um „Solidarität statt Privilegien! Es geht um Alle“ Kunst bleibt frei". Der rechte Populismus greife die Kultureinrichtungen als Akteure dieser gesellschaftlichen Vision an und stehe "der Kunst der Vielen feindselig gegenüber." Dagegen gelte es in NRW und bundesweit „Haltung für Toleranz, Vielfalt und Respekt" zu zeigen. Versuche der Rechtsnationalen, Kulturveranstaltungen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, müssten abgewehrt werden.

Zudem müsse in Theatern, Opernhäusern, Konzertsälen, im Museen und Galerien, Bibliotheken und Ausstellungshäusern der offene, aufklärende, kritische Dialog über rechte Strategien geführt werden. Weiterhin verbinde man sich „solidarisch mit den Menschen, die durch eine rechtsextreme Politik immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden," so die Unterzeichner der Erklärung weiter.

 Die Intendantin des tanzhaus NRW, Bettina Masuch, sagte, in ihrer bundesweit bekannten Einrichtung gehöre „das internationale Arbeiten zur künstlerischen DNA und hat Geschichte." Im tanzhaus in Düsseldorf gebe es 90 Dozenten aus rund 40 Ländern, so Masuch. Die Einrichtungen im Kulturbereich müssten wegen der zunehmenden rassistischen Angriffe „nicht nur in der Kunstproduktion Stellung beziehen. „Kunst könne und müsse zeigen, „das unvoreingenommenes Aufeinander zugehen ein Großer Wert" sei. - Andreas Rehnolt

Kontakt: nrw.erklärung@dievielen.de