Unwürdiges Spiel um die Intendanz des Kölner Schauspiels

Carl Philip von Maldeghem wird neuer Intendant des Kölner Schauspiels. Der derzeitige Chef des Salzburger Landestheaters, der 2021 die Nachfolge des Schweizers Stefan Bachmann antritt, will „das Schauspiel Köln den Bürgerinnen und Bürgern noch weiter öffnen, da das Theater den Menschen gehört“.

Eine Formulierung, die Bachmann geradezu unterstellt, sein Theater nicht genug geöffnet zu haben. Ist das schon eine Art Kampfansage an den immerhin noch zwei Jahre tätigen Bachmann, so muss die Art, wie Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker und die Kulturpolitiker der Stadt den Wechsel angingen, auf ihn geradezu brüskierend wirken. Köln macht damit wieder einmal von sich reden. Und, wie so oft, negativ. Bachmann, der das Schauspiel der Domstadt, ausgelagert im Vorort Mülheim, nicht nur am Leben, sondern auch auf hohem Niveau gehalten hat, spricht von einer „brüskierenden Art, die einzigartig in der Landschaft steht“.

Der Schweizer, der sich bei Vertragsabschluss auf die Zusage der Stadt verlassen hatte, dass er die Rückkehr ins renovierte Schauspielhaus in der Innenstadt erleben werde, spricht von einem „Schlag ins Gesicht“. Erfuhr er doch von dieser Personalie erst vorgestern (23. Januar), einen Tag vor der gestrigen Pressekonferenz, in der sein ihm unbekannter Nachfolger der staunenden Öffentlichkeit präsentiert wurde. Der korrekte Schweizer, längst mit bitteren Erfahrungen im rheinisch-saloppen Köln reichlich gesegnet, fühlt sich mehr als überrumpelt. Hätte er doch gerne eine „Abstimmung zwischen dem amtierenden Intendanten“, also ihm, „und dem neuen“ erlebt.

Dass er zudem die „Verkündigung der Nachfolge in einer Woche, in der wir drei Premieren haben“, für „instinktlos“ hält und als „Schlag ins Gesicht“ erlebt – wer könnte ihm das verdenken. - Günther Hennecke