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"Richard III" kommt aus Ungarn zum diesjährigen Shakespeare-Festival

Das renommierte und bundesweit bekannte Shakespeare-Festival im rheinischen Neuss findet in diesem Jahr vom 14. Juni bis zum 13. Juli statt. Auf dem Programm der inzwischen 29. Ausgabe des Festivals stehen nach Angaben von Festival-Leiter Rainer Wiertz 13 Inszenierungen. Richard III reist aus Ungarn an den Rhein. Das Maladype Theatre Budapest spielt auf einem zweistöckigen schimmernden Baugerüst, das auch das einzige Requisit der knapp zweistündigen Inszenierung ist.

Macbett nach Eugène Ionesco reist aus Polen an und spielt natürlich in polnischer Sprache mit deutschen Untertiteln. Der französische Hauptvertreter des Absurden Theaters hat das Stück laut Wiertz 1972 „mitten im Kalten Krieg“ geschrieben und daraus eine skelettierte Version von Shakespeares Drama Macbeth als Farce geschrieben. Präsentiert wird das Stück vom Theater Papahema. Ort der Handlung um Ehrgeiz, Korruption und Feigheit ist ein Golfplatz.

Im Verlauf des diesjährigen Festivals im Nachbau des Londoner Globe-Theaters gibt es insgesamt 33 Vorstellungen. Dazu kommen - wie inzwischen gewohnt - der Kinder-Shakespeare-Tag, Workshops für Schüler und Lehrkräfte sowie die regelmäßigen Einführungen, mit denen unter anderem sieben Deutschland- und drei NRW-Premieren vor den Vorstellungen erläutern werden.

Diesmal reisen die Theatergruppen aus Frankreich, Polen, Ungarn, England und Deutschland an. Festivalleiter Wiertz hat erst bei der Programmplanung der diesjährigen Festivalausgabe für sich realisieret, „dass für Shakespeare selbst alle erdenklichen Konstellationen den Zündstoff für Tragödien, Historien und Komödien lieferten.“ Blutige Familienfehden, heftigste Erbschaftsstreitigkeiten, die Ausrottung ganzer Clans, die Trennung von Geschwistern, all das gebe es ja tatsächlich bis heute in Familien, so Wiertz.

Zu den Höhepunkten zählt nach seinen Worten das Tanztheater For you my Love!, in dem die bekannten Gestalten des britischen Dichters in einen Mahlstrom um Macht und Liebe gezogen werden. Zudem verspricht ein französischer Sommernachtstraum aus Nimes mit dem Titel Je suis invisible! („Ich bin unsichtbar“) einen zauberhaften Abend im Globe-Theater an der Neusser Rennbahn, bei dem auch ein alter Campingwagen eine Rolle spielen wird.

Weiter gibt es unter anderem die Shakespeare-Stücke Was ihr wollt, hier im Nach-Brexit-England angesiedelt, Viel Lärm um nichts, Romeo und Julia, König Lear, Die Zähmung der Widerspenstigen und zwei musikalische Beiträge. Das Opernstudio der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg zeigt Shakespeare at the Opera. Immerhin gibt es laut Wiertz weltweit rund 200 Opern zu Shakespeare-Texten.

Die Dresdner Popband „Woods of Birnam“ um den bekannten Theater- und TV-Schauspieler Christian Friedel (u. a. „Berlin Babylon“) präsentiert Searching for William in Concert. Dieser Abend mit den besten Songs der Gruppe unter anderem zu Hamlet werde so etwas wie „Shakespeare goes pop“, so der Festivalleiter.

Jeweils rund fünfhundert Zuschauer können an den Nachmittagen oder Abenden des Festivals im zwölfeckigen Gebäude Shakespeare ganz nah erleben. Das Globe in Neuss ist ein verkleinerter Nachbau des Shakespeare Theaters aus London, das von 1599 stammt. Die Festivalmacher erwarten auch diesmal wieder rund 14.500 Besucher und damit eine fast 100prozentige Auslastung.

Für die Neusser Kulturdezernentin Christiane Zangs ist das Shakespeare-Festival „die wichtigste Kulturveranstaltung“ und ein „Aushängeschild“, das auch über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt ist und wahrgenommen wird. 

Karten gibt es ab dem 23. März bei den bekannten Vorverkaufsstellen, telefonisch unter 02131-52699999 oder im Internet unter www.shakespeare-festival.de - Andreas Rehnolt