Gerechte Verteilung der Mittel?

Geld regiert die Welt! Das war vor 2000 Jahren schon so und gilt erst recht für die Gegenwart. „Systemrelevante“ Institutionen werden staatlich abgesichert, Sozialleistungen gedeckelt. Dem stellt der münstersche Künstler Thomas Nufer eine eindeutige Parole entgegen: Reichtum und heißes Wasser für alle. So der Titel seiner jüngsten Performance, für die er sich die frühere Eissporthalle in Münster als Spielort ausgesucht hat. Die „Location“ ist seit geraumer Zeit bei Jugendlichen als Ort cooler Parties angesagt. Doch demnächst treffen dort politisches Handeln der Regierenden und gesellschaftliche Realität an der Basis aufeinander. „Auch hier in Münster gibt es viele Menschen, die nicht gesehen werden“ gab Superintendent Ulf Schlien bei der Vorstellung des Projektes zu bedenken, das vom Evangelischen Jugend- und Bildungswerk des Evangelischen Kirchenkreises Münster getragen wird. Der Westfalenmetropole geht es ökonomisch vergleichsweise gut, dennoch leben in der Stadt viele Modernisierungsverlierer, die in der Öffentlichkeit nur am Rande sichtbar werden.

Um Profiteure und Leidtragende einer Plutokratie geht es schon dem antiken Dramatiker Aristophanes. Dessen Komödie „Plutos“ nimmt Thomas Nufer als Basis seines aktuellen Projekts, verschränkt diese mit dem gesellschaftlichen Hier und Jetzt und fragt ganz provokant und suggestiv, ob sie nicht dezidiert gewollt ist, die Schere zwischen Arm und Reich. Er stellt antike Figuren gemeinsam auf die Bühne mit Papst Franziskus, Angela Merkel und Karl Marx – das verspricht spannende Begegnungen und interessante Reflexionen nicht nur über Geld und Glamour. Radikales Nachdenken ist gefordert hinsichtlich des befreiungstheologisch formulierten Postulats der „vorrangigen Option für die Armen“. Diesen Denkraum bietet jede der acht Aufführungen im Juni: in rund 30-minütigen sozialpolitischen Diskussionsrunden kommt das Publikum mit Vertretern aus Gesellschaft und Kirche ins Gespräch, so etwa mit Alfred Buß, ehemaliger Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Kerstin Feldhoff, Professorin an der Fachhochschule Münster (Fachbereich Sozialwesen) oder Gabriele Markerth, Kreisgruppengeschäftsführerin des Verbandes „Der Paritätische Münster“.

Neben professionellen Schauspielern (Christiane Hagedorn, Lara Albert, Stefan Naszay, Eckhard Ischebeck, Martin Schlathölter, Ahmad Dimassi und Stephan Sundrup) werden auch Laiendarsteller in diesem multimedialen Theater aktiv. So werden etliche Verkäufer der münsterschen Obdachlosenzeitschrift „draußen“ im Rahmen der Performance das Programmheft „drinnen“ verkaufen; SchülerInnen der Evangelischen Ausbildungsstätte des Münsterlands für pflegerische Berufe messen vor, während und nach dem Theatertreiben in der Eissporthalle den Pulsschlag des Publikums; SchülerInnen der Hauptschule Geist verteilen in der Pause Brot und Wasser - „Sekt gibt es nur für ganz Wenige“, schmunzelt Thomas Nufer. Gefragt nach seinen Beweggründen, Reichtum und heißes Wasser für alle zu schreiben und auf die Bühne zu bringen, lässt seine Antwort ein paar kleine Sekunden auf sich warten: „Die Hoffnung auf eine gerechte Verteilung der Mittel!“

Die Premiere geht am Sonntag, dem 16. Juni um 20 Uhr über die Bühne. Weitere Aufführungstermine: 18., 19., 25., 26. und 27. Juni, jeweils um 20 Uhr (mit anschließender Diskussion), 21. Juni (Spätvorstellung ab 22 Uhr ohne anschließende Diskussion) und 30. Juni um 11 Uhr (Abschlussaufführung).

Karten (15/ ermäßigt9 €) bei www.localticketing.de

Foto (von links nach rechts): Thomas Nufer, Sarah Klein (Ev. Jugend- und Bildungswerk), Ulf Schlien (Superintendent).