Übrigens …

Jubel und Vielfalt beim 29. „Shakespeare-Festival“ in Neuss

Seit 1991 steht er auf der Neusser Galopprennbahn: der zwölfeckige, verkleinerte Nachbau des berühmten Londoner „Globe“-Theaters. Was lag da näher, dem „Globe“-Star von einst, William Shakespeare, ein Festival zu widmen. Übrigens das einzige auf deutschem Boden, das Truppen aus aller Welt an den Rhein zieht. Ensembles, die sich dem Elisabethanischen Theater verpflichtet fühlen. In diesen Wochen zum 29. Mal. Und wie jedes Jahr ist es der Theaterstil der Ensembles, aber auch die Atmosphäre des Ortes, die fünf Wochen lang Neuss zu einem Mekka Shakespearschen Theaters machen. 15.000 Fans des Genies werden es wieder gewesen sein, wenn das Festival am kommenden Wochenende (13./14. Juli) seine Pforten schließt.

15 Inszenierungen boten einmal mehr einen Querschnitt durch verschiedene Theater-Stile und Kulturen. Außerdem öffnete sich das Festival in diesem Jahr verstärkt dem Tanz und der Musik. Selbst der Oper bot es ein Podium. Mit Eugène Ionescos „Macbett“ aus Polen war zudem eine gelungene Paraphrase auf den großen William mit von der Partie.

Wie sehr Shakespeare selbst Tänzer auf die Bühne lockt, zeigte die Johanna-Richter-Company mit „For You my Love“. Ein Stück, in dem ein hinreißend komisches Männer-Quintett Shakespeares große Tragödien-Helden aufleben lässt. Ob Hamlet oder King Lear, Macbeth oder der humpelnde Richard III.: Zwei Tänzer und drei Schauspieler standen sich in nichts nach, den Stücken jedes Pathos zu entziehen, ironisch-sarkastische Ebenen einzuziehen und sogar ins Heute zu holen.

Wenn Franzosen Shakespeare im Gepäck haben, ist für Witz, Poesie und Komik bestens gesorgt. Aus Nimes brachten der Brite Dan Jemett und sein Schauspieler-Quintett „Je suis invisible“ mit, einen „Sommernachtstraum“ schauspielerischer Extraklasse. Allein das Bühnenbild, beherrscht von einem völlig mit Moos überzogenen Minibus, sprach Bände.

Wie jedes Jahr war die „bremer shakespeare company“, die schon als „Geburtshelfer“ vor 29 Jahren dabei war, präsent. „König Lear“, auf der Heide endgültig dem Wahnsinn verfallen, sitzt am Ende, mit Zepter, Krone und Reichsapfel ausgestattet, wie sein eigenes Denkmal auf einem imaginären Königsthron. Hat er denn nichts gelernt aus den Katastrophen, die seiner Naivität entwuchsen? Enttäuschend war die Deutschland-Premiere von „Richard III.“, den das „Maladype-Theater“ aus Budapest auf die kleine Bühne brachte. Mit einem Richard, der anfangs mit dem Publikum scherzte und, ohne Lahmheit und ohne Buckel, zum lässig-gelangweilten Mörder geriet. (theater:pur-Autor Dietmar Zimmermann kam hinsichtlich dieser Inszenierung zu einem anderen Ergebnis. Anmerkung der Redaktion).

Das glichen andere Wandergruppen vielfach aus - ob mit „Wie es euch gefällt“ aus Halifax, „Was ihr wollt“ aus London oder mit „Romeo und Julia“ aus Potsdam. Mit Musik huldigte die Popgruppe „Woods of Birnam“: „Searching for William in Concert“. Neben Pop und Pep ließ sich auch das Opernstudio der Deutschen Oper am Rhein nicht lumpen: „Shakespeare at the Opera“ ließen den Allround-Künstler hochleben.

Insgesamt bot und bietet Neuss immer wieder eine hinreißende Theater-Mischung, die der alten römischen Stadt am Rhein zur Ehre gereicht. - Günther Hennecke