Übrigens …

Spielzeitmotto am Grillo-Theater 2020/21 lautet „We are family“

We are family“ (Wir sind Familie) lautet das Motto der Spielzeit 2020/2021 am Essener Grillo-Theater. Das Thema werde aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet und vorgestellt, teilte Intendant Christian Tombeil jetzt vor der Presse mit. „Schon früh hatten wir die Idee, unsere Spielzeit 020/2021 mit einem berühmten Songtitel der Musikband Sister Sledge aus dem Jahr 1979 zu übertiteln“, so der Intendant.

Als die Bühne dann aber im März dieses Jahres von der Pandemie mit voller Wucht getroffen wurde, „erschien uns unsere Motto-Wahl in einem ganz neuen Licht. Wir fragten uns, was Familie in Zeiten von Corona bedeutete, wie es bestellt ist um den Zusammenhalt in einem derartigen Mikrokosmos, wie Kernfamilie überhaupt zu definieren ist und wer entscheidet, ob hilfsbedürftige Personen hinzugenommen werden können oder ausgeschlossen werden sollen,“ so Tombeil weiter.

Der Spielplan hinterfragt nun unter anderem, was es speziell für ältere Menschen heißt, wenn man sich zu ihrem gesundheitlichen Schutz von ihnen fern hält, sie schweren Herzens isolieren und ihrer Einsamkeit überlassen muss. Und er behandelt auch die Frage, was geschieht, wenn Nähe und Gemeinsamkeit in häusliche Gewalt umschlagen. Mit diesen Fragen und der zentralen, was das eigentlich ist , was wir so selbstverständlich Familie nennen, will sich das Grillo-Theater in der nächsten Spielzeit beschäftigen.

Wissend, dass es hier sehr unterschiedliche Antworten geben wird,“ betonte der Intendant. Das aus „famulus/famula“ (Diener/Dienerin) aus dem Lateinischen hergeleitete Wort „familia“ bezeichnete in der römischen Antike die Gesamtheit der Dienerschaft, die mit ihrem Hausherrn unter einem Dach lebte. Erste Ende des 17. Jahrhunderts etablierte sich der Begriff „Familie“ auch in unserer Alltagssprache und meinte lange Zeit die dem bürgerlichen Ideal entsprechende Kernfamilie.

Auf dem Spielplan stehen unter anderem die deutsch-polnische Koproduktion „Arbeiterinnen/Pradujace kobiety“ des freien Theaterkollektivs „wekgruppe2“ sowie die Novelle „Die Marquise von O...“ von Heinrich von Kleist, die wegen der Pademie nicht gezeigt werden konnte. Edward Albee geht zudem der Frage nach, ob ein Paar ohne Kind wirklich eine Familie ist und zeigt die Abgründe ehelicher Beziehungskämpfe in seinem Schauspiel „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“

Außerdem auf dem Plan des Theaters in Essen Oscar Wildes „Bunbury - Ernst ist das Leben“ über familiäre Verstrickungen und Geheimnisse und die Familiensaga „Das achte Leben (Für Brilka)“ nach dem Roman von Nino Haratschiwili über das Leben von Frauen mehrerer Generationen in einer georgischen Familie im Berlin des beginnenden 21. Jahrhunderts. - Andreas Rehnolt