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Neuss bietet im Sommer ein Shakespeare-Open-Air-Festival

In diesem Jahr gibt es Shakespeare-Open-Air am Neusser Globe Theater an der Rennbahn. Insgesamt 21 Veranstaltungen werden vom 16. Juni bis zum 2. Juli geboten. Neun „fahrende Truppen“ aus Belgien, Österreich, England, der Türkei und natürlich Deutschland spielen im Shakespeare-Garden am Nachbau des Londoner Globe-Theaters. Der achteckige hölzerne Theaterbau selbst kann - wegen der andauernden Coronapandemie - nicht bespielt werden, hieß es am 19. März bei der Präsentation des Programms. Im vergangenen Jahr musste das sonst als Shakespeare-Festival firmierende, über Deutschland hinaus bekannte Kulturhighlight der Stadt Neuss ebenfalls wegen des Corona-Virus ausfallen.

Der bunte Reigen beginnt am 16. Juni mit einer Melange des Rheinischen Landestheaters: In Shakespeare’s „Love but Marriage“ verbindet der schweizerische Regisseur Tom Gerber nach den Worten des in diesem Jahr scheidenden Festivalleiters Rainer Wiertz geschickt verschiedene Motive aus dem „Sommernachtstraum“ und „ Der widerspenstigen Zähmung“ zu einer turbulenten Kombi-Komödie. Das Neue Globe Theater aus Potsdam bringt am 18. Juni die Brechtsche Fassung von Christopher Marlowes spannendem Drama Leben Eduards des Zweiten von England auf die 6 mal 8 Meter große Open Air Bühne am Neusser Globe.

Tags drauf entfesselt das Globe Ensemble Berlin mit „Der Sturm“ Naturgewalten in Shakespeares Garden. Die späte Romanze vom visionären Zauberer Prospero wird in dieser Fassung laut Wiertz zu einer Auseinandersetzung mit der Globalisierung, den Konflikten zwischen Zivilisation und Natur, unterdrückerischen Mächten und gerechter Herrschaft. Die Salzburger Theaterachse kommt am 24. und 25. Juni mit „Viel Lärm um Nichts“ nach Neuss: Spritzige Wortgefechte junger Liebespaare, die zum Teil noch nichts von ihrer Zuneigung wissen, und eine hässliche Intrige münden in ein Happy End, das sich seines Beifalls sicher sein kann.

Die bremer Shakespeare Company ist mit zwei Inszenierungen in Neuss zu sehen: Der poetisch-anrührenden Neuproduktion vom „Wintermärchen“ am 26. Juni sowie dem hochaktuellen „Coriolanus“, der im Zusammenspiel mit dem Tiyatro BeReZe aus dem türkischen Istanbul am 28. und 29. Juni zweisprachig aufgeführt wird. Dabei sieht Wiertz durchaus politisch heutige Bezüge zur gegenwärtigen Situation in der Türkei, geht es in dem um das Jahr 600 vor Christus spielenden Stück doch unter anderem auch um die Durchsetzung der Tyrannei und um die Macht des Militärs.

Mit zwei urkomischen Inszenierungen geht der Shakespeare Garden zu Ende: Dem „Macbeth“ der HandleBards-Damen aus London (30. Juni und 1. Juli) und der quirligen Posse der Shakespeare Zeitgenossen Francis Beaumont (1584- 1616) und John Fletcher (1579-1625) - mit dem Titel „Der Ritter von der flammenden Mörserkeule“ wurde vom Theater Poetenpack Potsdam „wiederentdeckt“ (2. Juli) . Die Veranstaltungen werden open air unter Einhaltung der dann aktuellen Hygieneauflagen durchgeführt. Statt wie sonst 500 Zuschauer können diesmal nur jeweils 200 Shakespeare-Freunde pro Vorstellung dabei sein. Die Veranstalter hoffen auf gutes Wetter und eine bis dahin „stabile Corona-Situation“, die die tatsächliche Durchführung des Shakespeare-Gardens erst möglich macht. - Andreas Rehnolt

Foto: Globe Theatre Neuss