Übrigens …

Pinocchio im

Märchen für Jung und Alt

15 Jahre ist die Kölner Kinderoper alt und hat doch schon eine wechselvolle Geschichte hinter sich, vor allem, was die Spielstätten betrifft. Man begann in der sogenannten Yakult-Halle, ein fast das ganze 1.-Stock-Foyer des Opernhauses einnehmendes Zelt, schön drapiert, aber notwendigen Wandelplatz verdrängend. Von dort zog man, die anstehende Generalsanierung des Hauses am Offenbach-Platz bereits vor Augen, ins Alte Pfandhaus in der Südstadt, nach wie vor ein Zentrum für Jazzkonzerte. Statt Guckkastenbühne gibt es nun eine kleine Arena, die mitwirkenden Musiker (aus den Reihen des Gürzenich-Orchesters) sitzen auf einer Empore. In drei Jahren findet die Kinderoper neben dem „großen“ Haus einen neuen, unterirdischen Platz, welcher durch die Eingangshalle des Opernhauses zugänglich sein wird.

Weniger als eine Uraufführung sollte es zum Jubiläum nicht sein. Man kam auf die Geschichte von Pinocchio, dem hölzernen Bengele aus der Erzählung Carlo Collodis vom Ende des 19. Jahrhunderts. Der Holzschnitzer Geppetto fertigt eine langnasige Figur, die wie Goethes Zauberlehrling bald ein vom Meister nicht mehr beherrschbares Eigenleben führt. Pinocchio ist ein wilder Lausbub, doch mit einem goldenen Herzen. Wenn er nach Irrungen und Wirrungen seinen Vater wiederfindet, wird man nachhaltig angerührt.

In den vergangenen Jahren hat es noch andere Pinocchio-Öperchen gegeben, 2010 in Stuttgart (Komponist: Jonathan Dove) sowie zwei Jahre zuvor in Hamburg (Komponistin: Gloria Bruni). Diese Version lag auch dem Projekt RuhrOpernKind zugrunde, die nach ihrer Duisburger Premiere noch immer durch die Lande tourt.

Die Kölner Version kam durch Robert Oberaigner zustande, Klarinettist im Kölner Gürzenich-Orchester. In seiner Salzburger Studienzeit hatte er den dort lehrenden Komponisten Simone Fontanelli kennengelernt und dessen Pinocchio-Etüden aufgeführt. Die Erinnerung daran blieb haften, und nun wurde eine Oper daraus. Oper ist für das Werk freilich ein zu großes Wort, wirken doch lediglich zwei Personen mit: Oberaigner als Musiker und Verkörperung des Pinocchio sowie Guido Hammesfahr (u.a. bekannt durch die TV-Sendung „Löwenzahn“). Das steht in starkem Kontrast zu den bislang bevorzugten Werken von mehr narrativer Machart. Allerdings hat Fontanelli eine theatralisch ausdrucksvolle Musik geschrieben, die nur aufgrund der begrenzten Wirkung lediglich eines Instruments nach und nach an Wirkung verliert. Und wenn Guido Hammesfahr sein virtuoses Bühnenspiel auf reine Erzählpassagen einzufrieren hat, hängt die Aufmerksamkeit der kleinen Zuschauer etwas durch, so lebendig sie zuvor war. Die kammerspielartige Aufführung mit einer Holzschnitzerbank als Blickfang besitzt viele Reize; ob aber alle Kinderwünsche erfüllt werden? Immerhin: die Aufmerksamkeit der kleinen Zuschauer war bei der Premiere groß, Lichtstimmungen und Kunstdampf wurden lautstark und handgreiflich kommentiert.