Tristan und Isolde im Detmold, Landestheater

Unter Soldaten

Von Soldaten ist das Bild geprägt, in dem Kay Metzger und Petra Mollérus Wagners Tristan und Isolde ansiedeln. Isolde ist die einzige Zivilistin in dieser durch und durch militärischen Welt, beherrscht vom Gehorsamsprinzip. Da wiegt Tristans Ausbruch aus diesem Leben, sein sich Fallenlassen in eine unmögliche, eine verbotene Liebe natürlich doppelt schwer. Und so schafft Metzger als Gegengewicht quasi als Ort dieser Liebe einen schwarzen „Nachtraum“, in dem die Liebenden sich begegnen, ihren Gefühlen freien Lauf lassen und in dem am Ende Tristan seiner Isolde als schwarzer Engel entgegentritt, der ihr den Todeskuss gibt.

Die Drehbühne hat zwei Spielflächen: die eine Seite kann man als Offiziersmesse auffassen, in kaltes Weiß getaucht, nüchtern möbliert. Die andere Seite, die Nachtseite, ist fernab von jeglichem Trubel, ausgestattet mit einem Flügel und einem Notenpult. Herumliegende Noten vermitteln Ruhe fernab der Welt - oder sollte es etwa nur ein Probenraum zur Truppenunterhaltung sein?

Diesem Ansatz kann man folgen. Erstaunen kommt allerdings auf, wenn Metzger, der die Verhältnisse in „seinem“ Theater ja kennt, in die Personenführung eine gewisse Starre und Lethargie einfließen lässt, die man so von ihm nicht gewohnt ist. Da wirkt vieles nicht nur langsam sondern zäh. Und das ist schade, denn Weltentrücktheit muss ja nicht Zähigkeit bedeuten. Schade auch, dass er nicht mehr Intensität in die Liebesszenen zu bringen vermochte: Diesem Tristan und dieser Isolde nimmt man ihre Verliebtheit nicht wirklich ab.

Michael Baba ist ein Tristan, dessen Stimme natürlich nicht mehr jugendlich-frisch ist. Er ist kein ungestüm liebender Held, kann sein Stimmmaterial aber gerade in den leisen Momenten zu wundervoller Intensität formen und seine Qualen im dritten Akt glaubhaft verkörpern. Joanna Konefal als Isolde ist vor allem eines: laut, und zwar sehr laut. Sie übertönt ihre Partner und das Orchester locker, singt zwar sicher, aber ohne Nuancierungsfähigkeit. Ganz rundheraus: ihr Liebestod ist eine einzige, nur laute Enttäuschung.

Herausragend und mit viel Feingefühl singt Guido Jentjens den König Marke. James Tolksdorf ist ein robuster Kurwenal, der noch ganz viel aus dieser Rolle herausholen kann. Das gilt auch für Monika Waeckerle als Brangäne, die ein perfektes Mezzo-Timbre mitbringt. Markus Gruber (ein Hirt), Jundong Kim (Melot), Kyung-Won Yu (Steuermann) und Kai-Ingo Rudolph (junger Seemann) singen ihre kleineren Rollen ohn’ Fehl und Tadel.

Fantastisch ist, was aus dem Graben kommt. Erich Wächter hat mit dem Symphonischen Orchester viel Feinarbeit geleistet. Da strömte richtig durch und durch gehender Wagner-Sound aus dem Graben – einfach klasse. Begeistert zeigte sich das Detmolder Publikum und belohnte die Interpreten mit stürmischem Beifall.