unsere Frauen im Theater am Dom

Ernstere Komödie

Große Heiterkeit und spontaner Zwischenapplaus kam jedes mal auf, wenn sich Paul, ausgerechnet ein Rheumatologe, nur mit größter Mühe aus einem riesigen Multifunktionssitzkissen zu erheben versuchte - die älteren Herrschaften in der fast ausverkauften jüngsten Premiere im Kölner „Theater am Dom“ mögen dabei an ihre eigenen Rückenprobleme gedacht haben. Zu sehen gab es unsere Frauen, eine klassische französische Boulevardkomödie des gebürtigen Tunesiers Eric Assous, den es nach der Schulzeit in Richtung Frankreich zog und der dort zum sehr erfolgreichen Theater- und Drehbuchautor avancierte.

Nun kommt in dem Stück keine einzige Frau leibhaftig vor, aber das ist auch gar nicht notwendig, weil diese durch die heftigen Diskussionen zwischen Max (Ingolf Lück), Paul (Jochen Horst) und Simon (Mathias Herrmann) so viel Gesicht bekamen, dass man sie fast leibhaftig vor sich sah. Im schicken Loft des Röntgenologen Max, mit direkter Sicht auf den Eiffelturm und einer umfangreichen Plattensammlung, treffen sich die drei langjährigen Freunde wie immer zum Kartenspielen. Nur – Simon, ein wohlhabender Coiffeur mit mehreren Salons, Pool, drei Autos und vier Parkplätzen, wie er konstatierte, kommt fast eine Stunde zu spät. Entgeistert berichtet er, soeben seine Frau Estelle erwürgt zu haben, was bei den Freunden zunächst ein ungläubiges brüllendes Lachen und dann eine chaotische Diskussion auslöst. War es vielleicht Notwehr oder entschuldbar wegen der vielen Hörner, die Estelle ihm aufgesetzt hat? Und nun, vielleicht die Polizei anrufen? Mehrere Versuche werden sofort abgebrochen. Abhauen in ein Land ohne Auslieferungsabkommen? Man diskutiert die Länge einer Gefängnisstrafe abzüglich der Untersuchungshaft, aber Simon will sich eher umbringen, als zehn Jahre ins Gefängnis zu gehen: „Dann habt Ihr mich auf dem Gewissen, denn das kann doch jedem mal passieren“. Er bittet nämlich seine Freunde um ein falsches Alibi, dass er pünktlich zur Verabredung gekommen sei, zumal er Max für dessen neue Praxis ein beträchtliches Darlehen zur Verfügung gestellt hatte. Aber Geld zu leihen ist ja nun nicht vergleichbar mit Mord.

Aber die Freunde lehnen entrüstet ab, das könnte man doch von ihnen nicht verlangen. Simon schüttet sich ein ganzes Röhrchen Beruhigungstabletten in den Hals und fast eine ganze Flasche Schnaps hinterher mit der Folge, dass er einen großen Teil des Abends und auch der Diskussion verschläft, wie man nun fortfahren soll. Obwohl Max, den seine eifersüchtige Freundin Marion – „jeder Atemzug eine Verdächtigung“ - an ihrem Geburtstag verlassen hat, und Paul, der sich über seine ewig verschlafene Frau beschwert -„ihr reicht im Bett ein gutes Buch“ -, sehr schlecht auf ihre eher nicht besseren Hälften zu sprechen sind. Der harmoniesüchtige „Konsens-Heini“ und Softie versucht jedoch zu beschwichtigen: „Freundschaft ist Sicherheit für harte Zeiten“, nachdem Simon sich auch noch bei seinen Freunden entschuldigt hatte, dass er ihnen mit dem Mord den ganzen Abend versaut hätte. Ganz aus dem Häuschen gerät auch noch Paul, als seine Tochter mitten in der Nacht den wesentlich älteren Simon auf dem Handy anruft. Aber der hat nix mit ihr, sondern ist der väterliche und liebevoll zuhörende Freund, da Paul für seine Tochter keine Zeit hat.

Viele Meinungen, keine Lösung für das Problem. Aber es tut sich wie so oft bei einer derartigen Situation ein Abgrund aus Neid und Missgunst auf, die Freunde gestehen sich ihre Ängste und Niederlagen, ihren Hass und ihre Liebe ein. „unsere Frauen“ ist eine eher ernstere Komödie mit viel Tiefgang, mit Beleuchtung zwischenmenschlicher Probleme mit Frauen und mit belastbaren Männerfreundschaften. Aber auch mit viel Humor und Kurzweil, mit viel Situationskomik, Slapsticks, zahlreichen richtig guten Sprüchen und manchmal etwas überdrehten Kalauern.

Die Regisseurin und Schauspielerin Ute Willings hatte im Hause bereits mit Toutou und Ziemlich beste Freunde eine glänzende Visitenkarte im Hause abgegeben; auch hier gelang ihr eine prächtige Unterhaltung mit gutem Timing und viel Hintersinn. Vor allem mit den drei bühnen- und fernseherprobten Schauspielern, ganz unterschiedliche Typen, jeder auf seine Weise überzeugend. Zum flotten Spiel passt auch das Bühnenbild von Tom Grasshof: Man schaute von außen über einen Balkon mit großen, vom „Putzteufel“ Max unablässig gewienerten Schiebetüren, auf dem auch gespielt wurde, ins Wohnzimmer. Und natürlich ist Estelle gar nicht tot; sie ruft am nächsten Morgen in der Wohnung an, wo die Herren mühsam die Nacht verbracht hatten, und berichtete entsetzt von einem Einbrecher, der sie beinahe erwürgt hätte. Jedoch ist die makabre Geschichte auch jetzt noch nicht zu Ende - aber der finale Gag sei hier nicht verraten.

Auch wenn diesmal nicht ganz so intensiv gelacht werden konnte wie in anderen Stücken, wo oftmals die Dialoge im Gelächter unterzugehen drohten: Das blendend gelaunte Publikum applaudiere lange und intensiv.