Der Sturm im Münster, Wolfgang-Borchert-Theater

Zauberhaftes im Wasser

Pünktlich zur Premiere verdunkelt sich der Himmel und über Münsters Hafenbecken deutet Regen einen Sturm an. Ganz so realistisch hätten die Theatermacher sich das sicher nicht gewünscht, aber im Grunde kann man es doch auffassen als Bestandteil einer effektvollen Shakespeare-Open-Air-Show direkt im Wasser vor der Tür des Wolfgang-Borchert-Theaters.

Dort befindet sich Prosperos, nein Prosperas Zauberinsel auf Pontons im Hafen. Mittels Magie gelingt es der Herrin des Eilands, ihren Feinden den Spiegel vorzuhalten und ihrer Tochter einen Ehemann zu verschaffen, den sie liebt. Am Ende verzichtet sie weise auf das Übersinnliche.

Das sind doch allerbeste Zutaten für einen herrlichen Sommerwohlfühlabend. Regisseur Meinhard Zanger und sein Ausstatter Darko Petrovic integrieren diesen Sturm in Münsters Ausgeh-Meile am Wasser perfekt. Da stören auch in keiner Weise vom anderen Ufer herüber dringende Gesprächsfetzen oder Geschirrklappern. Das Regieteam fesselt in jeder Minute mit dem Geschehen auf der Bühne Denn das ist stets temporeich und ein echter Hingucker: Ob sich Luftgeist Ariel im schnellen Motorboot um die Insel bewegt, Prosperas Tochter nixengleich durch eine Lagune schwimmt - immer ist Bewegung, nie auch nur ansatzweise Stillstand oder Langeweile.

Zanger und Petrovic gelingt es, ihr Publikum „alltagsfern“ zu stellen. Die Aussicht auf zwei unterhaltsame, verträumte Stunden am Hafen, voll Zauber, Liebe und burschikosen Witz - gibt es etwas Schöneres an einem lauen Abend in der Stadt?

Zumal auch das gesamte Ensemble sich mit Feuereifer in die Produktion hineinwirft. Mit dem Boot zur Spielstätte gebracht, darf sich da niemand als seekrank oder wasserscheu erweisen! Aber alle fühlen sich offensichtlich pudelwohl und kreieren spielfreudig einen Abend, der perfekt in Umgebung und Intention dieses Sturms aufgeht. Das gilt für Markus J. Bachmann und Florian Bender als Matrosen und für Tatjana Poloczeks Caliban, die mit derber Komik für Lacher sorgen, aber auch für das verträumte Paar Bastian Sesjaks und Rosana Cleves alias Ferdinand und Miranda. Um bei ihnen Leidenschaft zu entfachen, hätte es irgendwelcher Zaubereien gar nicht bedurft.

Jannike Schubert als Luftgeist Ariel sorgt für Witz und Tempo und kommt daher wie der griechische Götterbote Hermes. Schubert kann mit wunderschönen Gesangssequenzen punkten und so ein Stück innehaltende Melancholie beisteuern.

Monika Hess-Zangers Prospera verzichtet am Ende auf ihre übernatürlichen Kräfte und legt die Abstimmung über ihre Zukunft in die Hände des Publikums. An diesem Abend wird das schon gut ausgehen - hat sie doch die Schurken bestraft, ein Liebespaar zusammengeführt und den guten Ariel frei gelassen. Mehr geht doch nicht, oder?

Und wenn sich bei den Folgevorstellungen am späteren Abend mehr Dunkelheit über die Wasserfläche legen wird, trägt sicher auch die Lichtregie noch stärker zur „bezaubernden“ Atmosphäre des Sturms im Hafenbecken bei, werden Leuchtkreis und Wunderkerzen die Stimmung weiter verdichten. „Sommermärchen“ müssen sich ja nicht auf Fußball beschränken!