Traum gescheitert
Ein kleines Stück Broadway am Deutschen Theater. Noah Haidle, preisgekrönter Dramatiker und Drehbuchautor, nicht nur in den USA bekannt, hat mit Spirit And The Dust ein Stück "über das, was man Leben nennt" entworfen. Es ginge um Freundschaft, späte Liebe und tiefen Schmerz, schreibt das Deutsche Theater. Also, mal was ganz Neues und nichts, worüber nicht schon andere Dramatiker:innen geschrieben haben könnten.
Doch Haidles larmoyanter Ton ist niemals unangenehm, burlesque oder aufgesetzt. Und Spirit And The Dust ist kein Musical, obwohl hier und da gesungen und getanzt, gesteppt und geflirtet wird.
Wie das Leben so spielt: Vor Jahren hat eine Frau in einem unachtsamen Moment ihr Kind beim Spielen verloren. Das Leben danach ist überschattet von der Frage nach Schuld. Doch Hope, dieser so amerikanische Frauenname, den Menschen in den USA ihren Töchtern gerne nach Kriegen geben, schließt sich mit anderen Menschen zusammen: eine Art Schicksalsgemeinschaft.
In der Gemeinschaft wird nicht alles gut, aber zumindest wird die Last, mit dem Leben klar zu kommen, auf verschiedene Schultern verteilt. Das amerikanische Milieu mit Feuerleitern, Hinterhöfen und Micky Mäusen kommt in sich stimmig daher und Regiesseurin Anna Bergmann führt die Schauspieler:innen durch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Eindeutiger Star des Abends ist Corinna Harfouch, changierend von spröde bis bittersüss, in der Rolle der Hope. Eine sehenswerte Inszenierung am Deutschen Theater, auch für Trump-Kritikerinnen und USA-Nicht-Liebhaberinnen.