Irgendwann ist die Jugend dahin
Sicherlich, diese Feldmarschallin Fürstin Werdenberg will noch etwas mitnehmen an Glück im Bett, ehe sie nicht mehr ganz so begehrensert sein wird, wie sie sich fühlt. Dann am Ende, nach allerlei Irrungen und Wirrungen, wird ihren Liebhaber Octavian der frischen, feschen Sophie überlassen. Fast so etwas wie Memento Mori, ein Tribut an jene Vergänglichkeit, die uns alle einholen wird.
Richard Strauss hat ein vielschichtiges Sujet (Libretto: Hugo von Hofmannsthal) mit komplexem musikalischem Ausdruck versehen, um das menschlich-mitmenschliche Durcheinander ebenso wirkungsvoll wie feinsinnig darzustellen. Da schlagen Dirigent Mino Marani und das Philharmonische Orchester der Stadt Heidelberg einen eher geradlinigen Weg ein. Marani setzt auf Kontraste und Effekte, vernachlässigt aber die kunstvoll-ironischen Akzente, die Strauss hineinkomponiert hat. Ab und zu etwas leiser, dafür mehr schillernde Durchsichtigkeit hätten der klanglichen Darstellung gut getan.
Auch Andrea Schwalbach setzt in ihrer Inszenierung auf Vordergrund. Die etwas plüschige Atmosphäre der Ausstattung lässt Assoziationen einer untergehenden Monarchie zu, alle Figuren werden deutlich skizziert, begnügen sich indes mit dem Vergnügen. Die Richtung ist eindeutig: Klare Handlungsabläufe, wenig Delikatesse.
Gesungen wird gut, allen voran Signe Heiberg, deren Sopran viele Facetten aufweist und viel Leuchtkraft ausstrahlt. Ihr Spiel ist eher brav, aber direkt, auch im Zusammenprall mit Oktavian. Den singt Amber Fasquelle mit sauber geführtem und angenehm timbriertem Mezzo und spielt ihn mit flotter Zielstrebigkeit. Wilfried Staber geht als Ochs auf Lerchenau deftig zu Werke, Theresa Immerz zeigt eine quirlige Sophie mit hellem, leichtem Sopran. Die vielen mittleren und kleineren Partien sind individuell besetzt und sprechen für die Leistungsfähigkeit des Hauses.
Viel Beifall für eine Produktion, die sich als Abschiedsgeschenk für den scheidenden Intendanten Holger Schultze versteht.