Bösewicht auf Abwegen
Dieser Jo Gerner, ein aalglatter Typ. Der ewige Böswicht: Seit über dreißig Jahren gespielt von Wolfgang Bahro. In Gute Zeiten, schlechte Zeiten (GZSZ) setzt er seinen Signature-Blick auf, eine Mischung aus Süffisanz, Abgebrühtheit und irgendwie auch sympathischer Selbstironie.
Nun hat Autorin Simone Saftig „ihrem“ Jo den Ritterschlag verliehen, indem sie ihm Theaterzeilen auf den Leib textete mit Jo schmeißt hin. Von Popkultur ließe sie sich inspirieren und sei zudem regemäßige GZSZ-Seherin.
Gespielt wird Jo Gerner am Deutschen Theater während der Langen Nacht der Autor*innen nicht von Bahro selbst sondern Jonas Hien. Der schlägt sich wacker, denn die doch sehr eigenständige Soap-Opera-Figur trägt bei Bahro fast schon ikonische Züge in Punkto Wiedererkennungswert. Da ran zu kommen ist nicht einfach.
Auf Sinnsuche und von der Überlegung getrieben, ins ernste Theaterfach zu wechseln, schlägt Gerner / Bahro / Hien so einige Kapriolen, und seine Selbstreflexion wird – teilweise recht witzige, teilweise auch etwas altbacken - von drei Fan-Sirenen garniert.
Doch der Genrewechsel kann schmerzhaft sein, wenn man einer der bekanntesten deutschen Seriendarsteller ist und plötzlich nur den Geist des verstorbenen Königs in Hamlet spielen soll.
Wie geht’s aus? Theater:pur verrät es nicht.