Übrigens …

Così fan tutte im Theater Heidelberg

Die Story vom zerbrechlichen Glück

Waren Mozart und sein Textdichter Da Ponte Zyniker, als sie in der Oper Così fan tutte die Treue zweier verliebter Frauen auf die Probe stellten, oder wollten sie mit dieser Verwechslungskomödie „nur“ ein heiteres Kammerspiel zum ungetrübten Amüsement der Besucher präsentieren?

Wir wissen es nicht wirklich, und auch die Produktion am Theater Heidelberg nimmt dazu nicht Stellung, wenn die Regie von Magdalena Fuchsberger zwischen Ernst und Heiterkeit schwankt und dabei etwas unentschlossen wirkt. Dabei ist das Unterfangen ambitioniert, denn auf einer karg möblierten Bühne (Tisch, Stühle, später Sofa) in einem hellen Bühnenraum fokussieren sich Augen und Ohren auf die Figuren der Handlung.

Was wiederum heißt: Ein so gesangslastiges Stück bedarf in einer reduzierten Sicht exzellenter Stimmen. Da stößt ein Stadttheater an Grenzen, innerhalb derer aber die Sängerinnen und Sänger überzeugen. Die beiden Schwestern Fiordiligi (Indre Pelakauskaite) und Dorabella (Amber Fasquelle) strahlen Anmut und helle Stimmführung aus, noch sind sie sich in Sachen Treue sicher, ehe sie zur Selbsterkenntnis reifen. Es sind ja schmucke Burschen in Gesang und Spiel, denen sie verfallen sind: Ferrando (Joao Terleira) und Guglielmo (Luvuyo Mbundu) zahlen den Preis ihres zerrütteten Selbstwertgefühls dafür, dass sie sich auf das intrigant-frivole Spiel von Don Alfonso (James Young) und Despina (Theresa Immerz) einlassen. Beide verkörpern ihre Rollen überzeugend.

Zeitenwende in der Kostümierung. Anfangs im Stil der Entstehungszeit, als Uniformen wichtiger waren als Kriegsglück, am Ende aber im Schäbi-Look, als ob die Mannen gerade aus einem aktuellen Kampf zurück kämen. Das scheint ein Fingerzeig, wie auch das an den Bühnenhintergrund projizierte “Bitch!“ wie ein Menetekel unserer Zeit.

Aus dem Graben tönte es in historische informierter Spielweise unter dem Dirigat des Spezialisten Clemens Flick zielstrebig, bei Bedarf auch schroff konturiert. Das Premierenpublikum war zum Abschluss der Opernsaison am Theater Heidelberg sehr zufrieden. Ab der neuen Saison übernimmt Bernadette Sonnenbichler die Intendanz eines intakten Hauses.