Gewinnerin ist die Musik
Die Musik, von der die 1900 uraufgeführte Oper Tosca getragen wird, mag manchmal plakativ daherkommen, doch ihr Kern berührt und illustriert menschliche Abgründe, Sehnsüchte nach befreitem Leben, nach Glück, das von der Brutalität der Umstände zunichte gemacht wird. Mino Marani, Heidelbergs Generalmusikdirektor, fühlt sich – nomen est omen – wohl in der Partitur und animiert die Heidelberg Philharmoniker zu einem Spiel, das zwischen Extremen pendelt. Er lotet die Power des dramatischen Geschehens aus bis hin zu Momenten, wo die Sänger(in) ihr ganzes Durchsetzungsvermögen einsetzen müssen. Dagegen setzt er aber außerordentlich nahegehende innige Szenen, voll musikalischer Zuwendung und – ja – Beseeltheit.
Gewinnerin ist die Musik? Na klar, wenn Signe Heiberg ihren jugendlich-dramatischen Sopran einsetzt und dabei mit ihren Höhen voller Sprengstoff einer lyrischen Innigkeit entgegensetzt. Die große Szene im Schlussakt: Ihr Glanzpunkt am Haus. Ihr zur Seite Maler Cavaradossi, den sie vor staatlichem Gewalt-Missbrauch nicht schützen Kann: Kwonsoo Jeon gibt ihm kraftvolle Höhen des jugendlichen Heldentenors und eindrucksvolle Darstellung. Blutüberströmt der vor Gewaltherrschaft flüchtende Angelotti, von Bassist Wilfried Staber kongruent verkörpert, und schließlich der Bösewicht Scarpia, der Unheilsbringer par excellence, dem Charakterbariton Giorgos Kanaris in Gefühlskälte und Begierde zeigt,
Die Bühne ist erst einmal kahl, hohe Wände, abweisendes Klima suggerierend. Kirche, Gefängnis, Zwingburg, Büro – alles ist möglich. Darin entwickelt Regisseur Dittrich die Figuren eindringlich im Zusammenprall von Gefühlen und Interessen, von tragischer Liebe, die im Tod endet. Dazwischen Chiffren von Träumereien, Physiognomien , geschickt eingesetzt um auch das Heute zu spiegeln. Optischer Gag ist ein kurz eingefügtes Kirchenfenster-Zitat nach Gerhard Richter.
Die erste Opernproduktion unter der neuen Leitung von Intendantin Sonnenbichler erzeugte massiven Beifall.