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Deutscher Tanzpreis 2026 - Alles schick und geputzt

Essen. Die Choreografien Christian Spucks sind schon mal, etwas herablassend, als „schick“ bezeichnet worden. Im Berliner Jargon bedeutet „alles schick“ aber ein hohes Lob, betonte Tanzkritikerin Dorion Weickmann im Essener Aalto-Theater. Und stellte diese Formulierung ihrer Laudatio auf Christian Spuck, den Träger des Deutschen Tanzpreises 2026, voran.

Im ersten Teil war die Veranstaltung von schrillen technischen Pannen und wenig bezwingenden Grußworten geprägt. Zum Glück war das Publikum zu Beginn aber schon durch Souhail Jaltis Water in Stimmung gebracht worden, einer vom Urban Dance Departement begeisternd dargebotenen Verschmelzung von Streetdance und Tanztheater. Nach diesem Eindruck ließ sich auch verschmerzen, dass Thomas Bradleys uraufgeführtes Non Butoh Solo kaum an das heranreichte, was Laudatorin Doris Dörrie anlässlich des posthum vergebenen Lebenswerk-Preises über Tadashi Endo erzählte. Im von ihr besuchten Workshop des Tänzers musste stets zu Beginn der Boden geputzt werden - ein Ritual auf allen vieren, das Regisseurin Dörrie bereits aus einem japanischen Kloster kannte. Endo prägte Teile ihres Filmwerks, den Ehrenpreis überreichte die Regisseurin seinem Sohn Akira. Einen zweiten Ehrenpreis erhielt Prof. Dr. Gabriele Brandstetter, die die Tanzwissenschaft als eigenständige universitäre Disziplin begründete.

Auch den zweiten Teil der Veranstaltung eröffnete eine so originelle wie bezwingende Choreografie: ein Ausschnitt aus Marcos Moraus Millennials als der stärkere Beitrag von zwei Darbietungen der Gelsenkirchener „MiR Dance Company“. Dann aber gehörte der Abend natürlich dem Hauptpreisträger Christian Spuck und einigen virtuosen Tänzern seines Berliner Staatsballetts. Schon in seinem Chopin-Nocturne konnte man die Dynamisierung der klassischen Kunst bewundern, der Balkon-Pas-de-Deux aus Romeo und Julia führte diese Qualität fort. Größere Tanzszenen blieben leider als Filmbilder im Hintergrund dem Porträt des Preisträgers vorbehalten. Doch immerhin: Das Sextett, mit dem Christian Spuck den langsamen Satz aus Beethovens fünftem Klavierkonzert in ein überraschendes Geschehen verwandelte, verdiente auf jeden Fall das Prädikat „alles schick“.

Foto: Ursula Kaufmann