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Autorin und Theaterregisseurin Nino Haratischwili bekommt diesjährigen Heine-Preis

Die georgisch-deutsche Theaterregisseurin, Dramaturgin und Romanautorin Nino Haratischwili erhält den mit 50.000 Euro dotierten renommierten Heinrich-Heine-Preis der NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf. Nach Angaben der Stadt hat die Preisjury in ihrer Sitzung am 1. Oktober so entschieden. Die Auszeichnung wird seit 1972 verliehen und gehört zu den bedeutendsten Literatur- und Persönlichkeitspreisen in Deutschland. Traditionell wird der Preis an einem Termin rund um Heinrich Heines Geburtstag (13. Dezember) in einem Festakt überreicht. 

Telefonisch dankte die Preisträgerin der Jury für die Auszeichnung. Zugleich betonte sie: “In der alarmierenden Gegenwart, in der wir leben und in der, an so vielen Stellen in der Politik und der Gesellschaft Regress zu verzeichnen ist, scheinen Heines Wertvorstellungen von Gleichheit der Menschen und der Freiheit als das Grundprinzip schlechthin, aktueller und zugleich bedrohter denn je. In der Zeit, in der Meinungsfreiheit und Demokratie angegriffen, stattdessen Populismus und Agitation wieder salonfähig werden, wird der Kampf eines jeden einzelnen von uns gegen die nationalistischen, imperialistischen und somit menschenverachtenden Ansätze nahezu zu einer Pflicht.”

Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) erklärte: "Mit Nino Haratischwili zeichnet die Landeshauptstadt Düsseldorf eine beeindruckende literarische Persönlichkeit aus, die gesellschaftliche und politische Entwicklungen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. In ihren Werken erzählt sie von Menschen, deren Leben von politischen Umbrüchen und Unterdrückung geprägt ist. Ihr Werk zeigt, welche Bedeutung Literatur für den offenen Diskurs und ein demokratisches Miteinander hat. Ihre Bücher sind ein Appell für Freiheit und unsere demokratischen Grundwerte." 

"In ihrem vielschichtigen und substanziellen Schaffen verbindet sie persönliche Lebensgeschichten mit großen gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen Europas. Ganz im Sinne Heinrich Heines tritt sie leidenschaftlich für den europäischen Gedanken, Freiheit und Grundrechte der Menschen ein, über nationale und kulturelle Grenzen hinweg. Dabei macht die aus Georgien stammende Autorin die Erfahrungen von Diktatur, Repression und Zensur im postsowjetischen Raum für ein internationales Publikum sichtbar. Nino Haratischwili erinnert daran, dass Menschenrechte und demokratische Freiheit keine Selbstverständlichkeiten sind, sondern immer wieder verteidigt werden müssen," hieß es in der Jurybegründung für den Preis.

Der Heine-Preis wird alle zwei Jahre durch die vom Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf eingesetzte Jury "an Persönlichkeiten verliehen, die durch ihr geistiges Schaffen im Sinne der Grundrechte des Menschen, für die sich Heinrich Heine eingesetzt hat, den sozialen und politischen Fortschritt fördern, der Völkerverständigung dienen oder die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit aller Menschen verbreiten". Die diesjährige Preisträgerin Nino Haratischwili ist 1983 in Tiflis (Georgien) geboren. 

Sie gilt als eine der bedeutendsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und wurde unter anderem mit dem Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft, dem Anna Seghers-Preis und dem Bertolt-Brecht-Preis geehrt. Ihr internationaler Durchbruch gelang mit dem Epos "Das achte Leben (Für Brilka)". Zu ihren weiteren Werken zählen die Romane "Mein sanfter Zwilling", "Die Katze und der General" sowie "Das mangelnde Licht". 

Zu den bisherigen Preisträgern des Heine-Preises gehören unter anderem Carl Zuckmayer, Sebastian Haffner, Walter Jens, Max Frisch, Wolf Biermann, Hans Magnus Enzensberger, Elfriede Jelinek, Amos Oz, Simone Veil, Jürgen Habermas und Alexander Kluge. - Andreas Rehnolt