Übrigens …

Blues Brothers im Münster, Wolfgang-Borchert-Theater

Mit einem Polizei-Auto durch die USA

Wow - was für eine Show! Und damit wäre eigentlich alles gesagt über die Blues Brothers. Das beinhaltet das größtmögliche Lob: Wow! Den Film von John Landis über und mit den legendären Blues Brothers John Belushi und Dan Aykroyd bringt Tanja Weidner auf die Bühne des Wolfgang-Borchert-Theaters Münster. Damit hat sie eigentlich das Publikum ab Mitte 60 voll im Griff. Denn die sind mit den Filmmelodien aufgewachsen, haben sie im Blut und swingen von Beginn an völlig mit. Aber wie ein jüngeres Publikum heranführen an die wunderbare Welt von Elwood und Jake Blues?

Dafür muss Weidner schon die Geschichte einer völlig verrückten Reise durch die USA erzählen. Denn die Blues Brothers sind „im Namen des Herrn“ unterwegs: Auf völlig legale Weise sollen sie 5000 US Dollar Steuerschulden aufbringen für die Klosterschule, in der sie aufgewachsen sind. 5000 Dollar wären für Elwood und Jake eigentlich kein Problem - aber wie zur Hölle legal daran kommen? Also begeben sie sich auf einen Road-Trip in einem getunten, alten Polizeiauto, der sie letztlich zum ultimativen Erfolgs-Gig führt. Vorher begegnen sie aber noch einer rachesüchtigen Ex-Geliebten und Polizisten, deren Verfolgung sie sich entzogen haben. So ganz astrein klappt das mit der Legalität eben dann doch nicht.

Tanja Widner setzt diesen Höllentripp perfekt um mit allen Mitteln, die das „konventionelle“ Theater zu bieten hat. Bühnenqualm, der die Szenen vernebelt, ist da nur ein Mittel. Tom Grasshoff baut ihr ein stählernes Universalgebilde auf die Bühne, das von den Darstellenden gedreht, gewendet, geschoben vielseitig einsetzbar ist - vor allem als Gefährt, mit dessen Hilfe sich die Blues Brothers durch Flucht immer wieder brenzligen Situation entziehen können - ein Bühnengestaltungselement, das trennt, vereint und Schneisen schlägt.

Ivana Langmajer zeichnet verantwortlich für die Choreografie. Sie hat dabei stets dieAusmaße der Bühne im Auge und anmiert das Ensemble des Borchert-Theaters zu gewagten Tanzelementen.

Überhaupt: Das Ensemble trägt mit unglaublicher Spielfreude zum überragenden Erfolg des Abends bei. Nein, es ist die Basis des Erfolgs. Stephanie Rave hat als Gesangscoach noch einmal viel mehr aus dem Ensemble herausgeholt, den Gesang insgesamt auf eine weit höhere Ebene geholt: Auch wenn gesangliche Qualitäten noch immer sehr unterschiedlich sind, scheint Rave den Agierenden mehr Mut und Vertrauen in gesangliche Qualitäten eingeimpft zu haben. Und das merkt man deutlich: Es wird gebluest, gecountriet und gegospelt, was das Zeug hält.

Florian Bender und Gregor Eckert sind in Schwarz und mit dunklen Sonnenbrillen so cool wie sonst was, schmelzen aber auf die Bitten der Oberin dahin und versuchen, möglichst ehrlich durch das Leben zu gehen. Wenn es denn geht!

Das übrige Ensemble schlüpft in verschiedene Rollen. Grandseigneur Meinhard Zanger eröffnet das finale Konzert in weißem Frack mit einem Song - hinreißend. Rosana Cleve wartet als Ex-Geliebte bis an die Zähne bewaffnet auf Rache. Katharina Hannapel und Niclas Kunder können sich vor allem als Personal einer Western-Bar profilieren - mit riesigem Beziehungsstress. Ivana Langmajer ist die Oberin des Klosters und einige andere Personen. Vor allem aber ist sie antreibendes Energiezentrum der Inszenierung. Jürgen Knautz’ feurige Drei-Mann-Kombo finden nicht nur den richtigen Sound, sie werden sogar in kleinen Rollen aktiv. Das gesamte Ensemble strahlt Freude und Gestaltungswillen aus.

Mit den Blues Brothers ist Intendantin Tanja Weidner ein Einstand in die Saison nach Maß gelungen. Die Könige des Road-Movie werden viele Menschen an Münsters Hafen locken.