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„Wenn ich mir was wünschen dürfte…“ im Schauspielhaus Düsseldorf

„Wenn ich mir was wünschen dürfte…“

Zwischen szenischer Lesung und Liederabend wechselnd berichten die sieben Studierenden des Düsseldorfer Schauspielstudios der Hochschule für Musik und Theater Leipzig äußerst lebendig und bewegend aus dem Leben Friedrich Hollaenders (1896-1976).

Friedrich Hollaender wurde in London geboren. Sein Vater war der damals bekannte Operettenkomponist Victor Hollaender. Seine Mutter Rosa Perl trat als Revuesängerin im Zirkus auf. Um die Wende zum 20. Jahrhundert siedelte die Familie nach Berlin über. Dort traf Friedrich Hollaender nach dem Ersten Weltkrieg auf Gleichgesinnte wie u.a. Kurt Tucholsky, Klabund und Joachim Ringelnatz. Sie gründeten ein Kabarett, das als „Schall und Rauch“ im Keller von Max Reinhardts Großem Schauspielhaus auftrat. Später wirkte Hollaender an verschiedenen Kabarett-Theatern mit, komponierte und textete Lieder. Er schrieb Revuen und vertonte auch Filme, so u.a. „Der blaue Engel“, dessen Melodie „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ noch heute ein Begriff ist. 1933 musste Hollaender wegen seiner jüdischen Abstammung Deutschland verlassen. Noch zwei Jahre zuvor hatte er den Antisemitismus als absurd verspottet (Song: „An allem sind die Juden schuld“). Paris und die USA waren Stationen seines Emigrantenlebens. 1956 kehrte Hollaender nach Deutschland zurück und ließ sich in München nieder.

Sieben Studierende des Düsseldorfer Schauspielstudios für Musik und Theater der Hochschule Leipzig skizzieren das Leben dieses bedeutenden Bühnenkünstlers der Weimarer Republik anhand von Liedern und Chansons aus seiner Feder und durch autobiographische Texte. Die Bühne im Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspielhauses schafft den geeigneten intimen Rahmen für diese Produktion. Ein großer Vorhang, der sich über den ganzen hinteren Teil der Spielfläche zieht und der unterschiedlich beleuchtet wird, reicht völlig als schlichtes Bühnenbild und erlaubt mehr Konzentration auf die Texte. Die Kostüme wechseln. Zuerst ist da mehr Glitter - zu Showzeiten Hollaenders -, später dominieren grau-schwarze Töne. Matts Johan Leenders begleitet den Abend am Klavier. Alle Darsteller:innen - Flavia Berner, Jonas Hanke, Ludowika Held, Alisa Lien Hrudnik, Maurice Schnieper, Anastasia Schöpa und Vincent Wiemer - sprechen und singen mehrere Rollen. Und überzeugen sowohl darstellerisch wie stimmlich. Äußerst anschaulich die oft kurzen Kommentare, die sich auf das sich verändernde politische Klima beziehen. U.a. erleben wir Hollaenders dramatische Flucht aus Berlin mit. Zunächst im Taxi, dann im Zug nach Paris. Ständig quält ihn die Angst, doch noch vor dem Erreichen der sicheren Grenze aus dem Zug geholt zu werden. Anschaulich auch die Skizzierung der Emigrantengemeinde, die sich in Paris findet.

Ein Abend, der einen in seinen Bann zieht und zutiefst bewegt. Langer stürmischer Applaus und Standing Ovations waren der Lohn für diese herausragende Leistung.