Übrigens …

Toxische Männer im Theater Münster

Eheprobleme bei Prometheus

Die Gattin des Titanen Prometheus ist sauer: Er hängt im Kaukasus rum, und sie muss den Dreck entfernen, den seine Experimente mit Wesen aus Lehm hinterließen. Dass der arme Mann von Zeus an einen Felsen gekettet wurde, weil er seinen Wesen das Feuer brachte, interessiert sie in ihrem Furor nicht. Diese Männer haben doch nur ihre Heldentaten und Machtspiele im Kopf.

Man möchte Mitleid bekommen mit jener Spezies, die der Autor Konstantin Küspert in seinem Stück Toxische Männer beschreibt, einem Auftragswerk des Theaters Münster. Drei nicht so ganz antike Prometheus-Szenen ziehen sich durch den 100-minütigen Abend im Kleinen Haus, ihre Komik mündet allerdings in eine eher schreckliche Verwandlung des am Ende von Herkules Befreiten. Mit dem zweiten Handlungsstrang seiner locker gefügten Szenenfolge wendet sich der Autor in die unmittelbare Zukunft, in der Diktator Kim Jong-un die Menschen mit seiner KI „KIM“ beherrscht: Sie werden entmündigt und zwecks friedlichen Verhaltens in eine Männer- und eine Frauen-Zone aufgeteilt. Medizinischer Fortschritt hilft immerhin gegen die Geißel Krebs, doch einzelne Opponenten wollen sich dem Regime nicht widerstandslos ausliefen.

Assoziativ verbindet Küspert aktuelle Themen und fügt zudem Szenen ein, die das inhaltliche Kaleidoskop noch bunter erscheinen lassen und mal als Traumsequenz, mal als Sketch daherkommen. Da wird auf ganz ulkige Weise aus dem Titelthema ein satirischer Versuch über männliche Gleichberechtigung geschöpft, die ja bekanntlich mit der Sprache beginnt und aus einer männlichen Königin einen Königiner macht. Andere Teile, etwa die Auktion von Emotionen aus dem 19. Jahrhundert, wirken eher rätselhaft: Womöglich wäre das (wie ursprünglich geplant) am Ende des Stückes besser aufgehoben als zur Eröffnung.

Cilli Drexels Inszenierung setzt mit der drehbaren Treppenbühne von Anna Brandstätter auf Tempo, hält aber auf diese Weise die unterschiedlichen Szenen eher in einem Gleichgewicht, als sie voneinander abzusetzen. Die Ausnahme bildet jener Moment, in dem eine Spielerin aus dem Kontext hinaustritt und problematisiert, dass sich Theater und Publikum mit dem gemeinsamen Blick auf die gesellschaftlichen Themen in einer weitgehend geschlossenen Bubble befinden – eine Szene, mit der der Autor eigene Bedenken artikuliert und die von Schauspielerin Agnes Lampkin als stürmischer Ausflug ins Parkett umgesetzt wird. Sie und ihre vier Mitspieler Alaaeldin Dyab, Pascal Riedel, Raphael Rubino und Elzemarieke de Vos investieren große Spielfreude in die üppigen Soli und Dialoge. Wohlverdienter Beifall für einen dank seiner Kürze recht unterhaltsamen, die Themen aber nur antippenden Abend.