Übrigens …

Irgndwo ist immer Süden im Neuss, Rheinisches Landestheater

Ein Platz, an dem man sich wohl fühlen kann

Irgendwo ist immer Süden ist ein Kinderroman der norwegischen Autorin Marianne Kaurin. 2021 wurde das Buch mit dem Deutschen Jugendliterarturpreis ausgezeichnet. Jens Kerbel, der auch Regie führte, hat die Bühnenfassung geschrieben.
Auf der Spielfläche im Studio liegen zahlreiche große Kissen. Ein Kleiderständer mit diversen Kostümen steht im Hintergrund.
Dort wartet auch ein großes Faltboot. Wenig, aber genug Requisiten in dieser berührenden Inszenierung, um letztlich Gefühle wie Geborgenheit, Nestsuche und Freundschaft zu vermitteln.
Worum geht es? Wir erleben den letzten Schultag vor den Sommerferien in einer 6. Klasse. Ina erzählt uns, wie die Mitschüler und Mitschülerinnen um die Wette mit ihren Urlaubszielen prahlen, sei es Mallorca, Dubai oder Italien. Das alles ist utopisch für Ina, wohnt sie doch mit ihrer alleinerziehenden, arbeitslosen Mutter in einem heruntergekommenen Wohnblock. Ina fühlt sich isoliert und minderwertig. Ihr fehlendes Selbstbewusstsein versucht sie damit auszugleichen, dass sie Anschluss an die beliebtesten Schülerinnen sucht – um cool zu sein, um akzeptiert zu werden. Sie behauptet auch darüber hinaus einfach, sie fahre auch in den Süden. Vilmer stellt sich an diesem letzten Tag vor den Ferien als neuer Schüler in der Klasse vor. Zu Inas Entsetzen wohnt er in dem gleichen Sozialbau wie sie. Also beschließt sie, ihm aus dem Weg zu gehen, um auf jeden Fall von den „Top-Schülern“ akzeptiert zu werden. Aber schon nach wenigen Ferientagen hat Vilmer herausgefunden, dass Ina gar nicht verreist ist. Und so beginnt ihre Freundschaft, wenn auch zögerlich. Sitzen sie doch im selben Boot. Gemeinsam schaffen sie sich ihr eigenes Ferienparadies in der alten Kellerwohnung des verstorbenen Hausmeisters. Ina stellt fest, was für ein sympathischer Junge Vilmer ist, wie gut er sie versteht. Annalisa Hohl spielt Ina überaus glaubwürdig und mitreißend. Man kann ihre Ängste, bloß nicht als Außenseiterin in der Klasse aufzufallen, gut nachvollziehen. Gibt es doch in jeder Klasse ein Gerangel darum, wer am coolsten ist und am meisten erlebt. Teure Urlaubsreisen und angesagte Kleidung sind leider oft der Maßstab für viele. Vilmer ist da ganz anders. Stefan Siebert überzeugt als sympathischer, liebenswerter Junge, der nicht im Wettbewerb der Klasse mitmacht und zu sich selbst steht. Ina und Vilmer freunden sich nicht nur an, sie verlieben sich ineinander und sind „in ihrem eigenen Süden“ glücklich. Ina berichtet das auch ihrer Mutter (Katharina Hintzen), die schließlich einen Job gefunden hat und natürlich glücklich ist über die Wandlung der Tochter. Katharina Hintzen spielt neben der Mutter verschiedene andere Rollen, so Frieda Vogelsang, eine alte Frau im Seniorenheim, die einmal die große Liebe des Hausmeisters gewesen ist,

Ein wunderbares Theatererlebnis, nicht nur für Jugendliche, obwohl diese ja gerade nur zu oft auf Äußerliches und Prestigeindizien achten und dabei Werte wie Freundschaft und Ehrlichkeit aus den Augen verlieren. Wie sagt Ina so treffend: „Der Süden ist ein kleiner Platz, wo man sich wohl fühlen und Spaß haben kann.“