Übrigens …

Die Möwe im Neuss, Rheinisches Landestheater

Vergebliche Suche nach dem Glück

Am Rheinischen Landestheater Neuss kam Tschechows Möwe als letzte Premiere der Spielzeit zur Aufführung. Im Hintergrund der Guckkastenbühne sehen wir einen Garten mit Birken und einen See, ein stimmungsvolles Bild. Dort steht auch Mylène Kroon, die im Laufe des Abends einige von ihr komponierte englischsprachige Lieder, zum Beispiel Maschas Song, singt, zuweilen auch das Geschehen nur rhythmisch untermalt. In der Mitte der Bühne steht ein langer, schwarzer Tisch, der immer wieder zum Laufsteg, zur Bühne wird.
Worum geht es? Auf dem Landgut des Gutsverwalters trifft sich eine Sommergesellschaft. Im Mittelpunkt steht immer wieder seine Schwester Irina Nikolajewna Arkadina, eine gefeierte Schauspielerin. Sie ist gemeinsam mit ihrem jüngeren Liebhaber Trigorin, einem erfolgreichen Schriftsteller, angereist. Arkadinas Sohn Konstantin, Kostja, krankt sowohl an seiner Eifersucht auf Trigorin – Kostja sieht sich selbst als begnadeten Schriftsteller – wie an seiner Unfähigkeit, sich aus dem Bann seiner Mutter zu lösen. Zudem ist er in Nina, die Nachbarstochter, verliebt. Sie wiederum liebt Trigorin. In den Reigen der unglücklich Verliebten gehört auch Mascha, Sorins Tochter:
Sie ist die Tochter des Gutsverwalterehepaars Schamrajew und Polina, die Kostja begehrt. Sie wiederum wird von dem Lehrer geliebt. Ihre Mutter, Polina, hat ein Auge auf den Arzt Dorn geworfen. So träumen alle von etwas Unerreichbarem und leben in einer Wunschwelt, aus der sie sich - auch gefesselt von gesellschaftlichen Konventionen - nicht lösen können. Katrin Hauptmann glänzt als glamouröse Diva Arkadina, die immer alles bestimmen will und die ihr Sohn und sein schriftstellerisches Werk nicht interessiert. Tim Richter überzeugt als Kostja, der sich nicht von seiner dominanten Mutter lösen kann. Und der wie ein Getriebener nach neuen Formen des Theaters sucht - und scheitert. Laoise Lenders spielt Nina, die verzweifelt versucht, als Schauspielerin erfolgreich zu sein. Johannes Bauer glaubt man den egozentrischen Trigorin, der sich so nebenher eine kurze Affaire mit Nina erlaubt, um dann aber zu Arkadina zurückzukehren. Benjamin Schardt füllt die Rolle des lebenslustigen Dorn sehr vergnüglich aus, es macht Spaß, ihm zuzusehen. Julia Staufer ist die stets in Schwarz gekleidete Mascha, die frustriert – nimmt doch Kostja ihre Liebe nicht wahr – den blassen Lehrer (Anton Löwe) heiratet. Hergard Engert und Stefan Schleue geben das Gutsverwalterehepaar.
Insgesamt überzeugt das Ensemble in den jeweiligen Rollen durchaus und doch zieht sich der Abend zuweilen. Die musikalische Begleitung ist gut gemeint, aber bisweilen auch störend. Insgesamt ein solider, aber nicht mitreißender Theaterabend. Das Publikum spendete zunächst verhalten Beifall, steigerte sich aber dann auch zunehmend.