Übrigens …

Fanny und Alexander im Schauspielhaus Düsseldorf

Ein Plädoyer für das Theater als Ort der alles überwindenden Fantasie

Ingmar Bergmans Film Fanny und Alexander aus dem Jahre 1982 zeichnet die Chronik einer großbürgerlichen Familie im schwedischen Uppsala Anfang des 20. Jahrhunderts. Der isländische Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson, der selbst aus einer Theaterfamilie stammt, brachte den Stoff als Theateradaptation auf die Bühne des Kleinen Hauses des Düsseldorfer Schauspielhauses. Eine sehr gute Wahl zum Beginn der ersten Spielzeit des neuen Intendanten Andreas Karlaganis. Geht es doch um die Faszination der Traumwelt des Theaters im Kontrast zur realen Welt.
Wir lernen die großbürgerliche, sympathische Familie Ekdahl kennen, lebensbejahend und sinnenfroh. Im Mittelpunkt stehen die Geschwister Fanny und Alexander, deren Eltern ein eigenes Theater leiten. Der Vater Oscar ist der Theaterleiter, die Mutter Emilie Schaupielerin, auch die beiden Onkel Carl und Gustav Adolf gehören zum Ensemble. Emotionales und auch finanzielles Zentrum der Familie ist die Großmutter Helena. Fanny und Alexander werden durch den plötzlichen Tod des Vaters aus dieser unbeschwerten, vertrauten Umgebung gerissen. Ihre Mutter heiratet den bigotten Bischof, der ihnen schon gleich zu Beginn erklärt, dass man niemals lügen dürfe. Besonders der
zehnjährige Alexander wird von diesem selbstgerechten Mann häufig körperlich gezüchtigt und psychisch unter Druck gesetzt. Als Emilie merkt, dass die Kinder und sie sich in diesem neuen Leben nicht einrichten können – Gesetz und das hohe Amt ihres Mannes verhindern eine Scheidung -, bedarf es einer spektakulären Rettungsaktion, um sie und die Kinder wieder in den Schoß der Familie zu bringen.
Schon das Bühnenbild, ein übergroßes Regal mit diversen Fundusstücken führt in die Theaterwelt ein. Auf den Seitenbühnen befinden sich kleinere Spielorte. Julius
Bèla Dörner kommentiert mit Gesang und Klavierspiel das Geschehen.
Der Abend beginnt mit einer langen Tafel, an der die Mitglieder der Familie Ekdahl ausgelassen Weihnachten feiern. Als optischen Kontrast sehen wir später ein karges Mahl im Hause des Bischofs. Überaus beeindruckend die beiden Kinderdarsteller: Maria Lomova
als Fanny und Aedan D’Inca als Alexander. Sie vermitteln äußerst eindrucksvoll, wie sie von der grausamen Veränderung in ihrem Leben getroffen werden. Vor allem Alexander, der mit seiner eigenen Fantasie sich nicht den Maßregelungen seines bigotten Stiefvaters (Philipp Hauß spielt diesen selbstgefälligen Mann Gottes überaus glaubwürdig) beugen will. Tabea Bettin überzeugt als Emilie, die erst mühsam erkennen muss, welchen Irrtum sie mit dieser Ehe begangen hat. Trotz einer erneuten Schwangerschaft will sie den Bischof verlassen, der ihr mit dem Entzug des Sorgerechts für ihre Kinder droht. Emilie brennt für das Theater ebenso wie die Großmutter (hervorragend: Manuela Alphons). Diese ist fast immer auf der Bühne als „ruhendes Zentrum“ zu sehen. Zu dem exzellenten Ensemble gehören ferner: Markus Danzeisen, Franz Pätzold, Cathleen Baumann, Lisa-Katrina Mayer und Jürgen Sarkiss. Man kann sich dem „Sog“ dieser Inszenierung nicht entziehen, die eine Liebeserklärung an die Kraft und Fantasie des Theaters ist. Langer, jubelnder Beifall und Standing Ovations für diesen rundum gelungenen Abend und für das hervorragende Ensemble.