Übrigens …

Ginpuin – Auf der Suche nach dem großen Glück im Neuss, Rheinisches Landestheater

„Es gibt kein Gleichsein im Anderssein“

Die Bühnenfassung Ginpuin – Auf der Suche nach dem großen Glück basiert auf dem gleichnamigen Bilderbuch von Barbara van den Speulhof und Henrike Wilson. Die Produktion in Neuss ist eine Übernahme des Hessischen Landestheaters Wiesbaden.
Die Hauptfigur in diesem hinreißenden Stück für Kinder ist Ginpuin. Er ist zwar vom Äußeren her ein Pinguin – und doch ist er anders. Er spricht seinen eigenen Dialekt. So sagt er „schunderwöhn“, wenn er „wunderschön“ meint, und „Scheisolle“, wenn er von einer „Eisscholle“ spricht. Die anderen Pinguine nennen ihn deshalb Ginpuin: „Bei dir tanzen die Buchstaben manchmal anders“, sagen sie. Doch Ginpuin will sich auf die Reise begeben, um das große Glück zu suchen. Denn er merkt: Anderssein kann ein Problem in der Gemeinschaft sein. Frances van Boeckel inszenierte das Stück mit viel Feingefühl und Humor. Ginpuin soll auf seiner Reise entdecken, dass seine besondere Art gerade ihn ausmacht. Er trifft auf der Fahrt eine Mantelmöwe und einen Albatros, die ihn durchaus freundlich
behandeln. Weiter kommt Ginpuin auf eine Insel mit zwei Kuschelschafen, die ihn herzlich aufnehmen. Das alles hilft ihm zu erfahren, dass seine besondere Art absolut okay ist. Ein besonders liebenswertes Merkmal dieser Produktion sind – neben den fantasievollen Kostümen – die wenigen Bühnenrequisiten, die ausreichen, um eine Insel darzustellen oder die eisige Landschaft am Pol. Natürlich überzeugen ganz besonders die Schauspieler in dieser lehrreichen, aber nicht „oberlehrerhaften“ Stunde. Da ist vor allem Annalisa Hohl als Ginpuin zu loben, die dessen verkorkste Sprache mühelos beherrscht. Peter Waros und Tim Richter glänzen sowohl als Co-Pinguine wie auch als Lachmöwe und Albatros. Als Schafe sind sie einfach knuddelig. Juliane Pempelfort spielt gleich drei Rollen: die Eisbergin, Kapitänin Otto und die Inselfrau. Auch sie begeistert das junge Publikum zu Recht. Alle Schauspieler singen fantastisch, was sicher zum Erfolg dieser Produktion beiträgt. Eine rundum gelungene Theateraufführung für die jungen Zuschauer, aber nicht nur für sie. Und das Thema, dass eine Gemeinschaft durchaus aus ganz verschiedenen Persönlichkeiten bestehen kann und dadurch nur gewinnt und dass keiner ausgegrenzt werden soll, wird so ganz nebenbei, doch intensiv vermittelt. Begeisterter Applaus von jungen und alten Zuschauern.