Übrigens …

Il gran finale im Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier

Ein Abschied als Aufbruch

Giuseppe Spota hatte die Idee, seine 2019 begonnene Ära als Direktor der „MiR Dance Company“ nicht wehmütig, sondern mit dem Gedanken des Aufbruchs zu beenden. Wozu er als knackigen Rausschmeißer des dreiteiligen AbendsIl gran finale im Gelsenkirchener Musiktheater sein einstiges Einstiegsstück End?! wieder auf die Bühne brachte. Schön, wie die unter gelben Mänteln so vielfältigen Gestalten zum Abschluss noch einmal die Lust am Tanz beschworen. Das Publikum mochte die Beteiligten kaum von der Bühne lassen: ein echter Feierabend.

Auch das reichhaltige Stück Ort, das den Abend eröffnete, kam wenig wehmütig daher. Eine sehr direktere Art des choreografischen Erzählens hatten Antonio de Rosa und Mattia Russo im Mai 2022 für ihr Stück gewählt, das Giuseppe Spota mit der „MiR Dance Company“ neu einstudieren ließ. Der Ort ist ein kleines Bus-Wartehäuschen auf der Bühne des Großen Hauses, in dem zunächst ein Typ mit Coca-Cola-Shirt sitzt und die Bewegungen einer Frau verfolgt - oder sie imaginiert. Episoden und Figuren wechseln: Gruppen fliehen den Regen, Menschen fotografieren, ein Junger und ein Älterer umschlingen einander, Kämpfe brechen aus. Schließlich aber verbinden sich alle zum mitreißenden gemeinschaftlichen Tanz, bis hoffentlich mal der Bus kommt.

Einzig in s-now-s, dem Mittelstück nach der Pause, gab es diesen wehmütigen Moment. Große weiße Kugeln prägen die Choreografie des Gastes Ivar van Woenzel, sie sollen an den Felsbrocken erinnern, mit dem der mythologische Sisyphos sich quält. Diese Assoziation stellte sich aber nur bedingt ein, denn zu hübsch ist der Anblick, zu artistisch mutet das Spiel der Compagnie mit den gigantischen Billardbällen an. Das rund halbstündige Stück beschwört archaische Auseinandersetzungen zwischen dem Einzelnen und der Gruppe, sieht wunderbar aus, kommt aber erst ganz zu sich, wenn am Ende der Schnee zu den Klängen des englischen Volksliedes „The Snows They Melt the Soonest“ herabrieselt: wehmütig schön.

Großer Applaus am Ende für alle drei Stücke – und für ein gelungenes Finale.