Übrigens …

Festivalzeit in NRW

Festivalzeit in NRW

  

von Andreas Rehnolt

 

Mit den traditionsreichen Ruhrfestspielen startet auch die diesjährige Saison der Theater-Festivals in Nordrhein-Westfalen in Recklinghausen. Wie Festspiel-Intendant Olaf Kröck vor dem Start mitteilte, handelt es sich um die inzwischen 80. Ausgabe der Kulturveranstaltung, die immer auch stark von politischen Themen bestimmt wird. Im laufenden Jahr ist das Festival mit Theater-, Tanz-, Musik-, Kabarett- und Figurentheater-Vorstellungen bis zum 13. Juni terminiert. Am Sonntag steht neben der offiziellen Eröffnung die Tanzproduktion Huang Yi & Kuka auf dem Programm.
Dabei tritt der Tänzer und Choreograph Huang Yi (Taiwan) in einen poetischen Dialog mit einem Industrieroboter und wirft dabei grundlegende Fragen nach Nähe, Verantwortung und Zukunft im Verhältnis Mensch und Roboter auf. Als Deutschlandpremiere kommt die Inszenierung Das Kind der beiden iranischen Theaterkünstler Naghmeh Samini und Afsaneh Mahian nach Recklinghausen. Ob es infolge des anhaltenden Angriffskriegs der USA und Israel auf den Iran dazu kommen wird, ist nicht hundertprozentig sicher. Als weitere Deutschlandpremiere ist das Stück Israel & Mohamed zu sehen. Der spanische Flamenco-Virtuose Israel Galván und der französisch-marokkanische Theatermacher Mohamed El Khatib trreffen sich zu einem "Dialog über Herkunft und Freiheit zwischen Körper und Sprache".
Insgesamt stehen etwa 220 Vorstellungen auf dem prall gefüllten Festival-Programm. Rund 80 verschiedene Produktionen werden zu erleben sein, so Intendant Kröck. Weil die große Bühne im Ruhrfestspielhaus aktuell saniert wird, finden die Veranstaltungen im Kleinen Haus, im Festspielzelt sowie im Theater Marl und im Schauspielhaus in Essen (Grillo-Theater) statt. Das 80jährige Jubiläum der 1946/47 ins Leben gerufenen Ruhrfestspiele wird nach Angaben der Festspielleitung nicht in diesem, sondern im kommenden Jahr begangen.
Am 14. Mai startet in Düsseldorf die erste Ausgabe des queer-feministischen Theaterfestivals Queer Art meets Britney X. Die auf fünf Jahre angelegte Kooperation mit dem Schauspielhaus Köln ist bis zum 17. Mai terminiert und wird von queeren Künstlerinnen und Künstlern bespielt. Unter dem Motto "Hold me closer" widmet sich das Programm den Beziehungen von LSBTQIA-Menschen "untereinander, zum eigenen Körper, zur Herkunft und zum Zustand der Welt". Dabei werden alle Bühnen und Foyers des Theaters in der NRW-Landeshauptstadt bespielt. Neben Gastspielen stehen auch Performances, Drag-Shows, Partys und Paneltalks auf dem Festvalprogramm.
Im rheinischen Neuss beginnt ebenfalls am 14. Mai das traditionsreiche Shakespeare-Festival im hölzernen Nachbau des Londoner Globe-Theaters. Das Theaterfestival findet diesmal bis zum 6. Juni statt und läuft parallel zur Landesgartenschau in Neuss. Nach Angaben von Festivalleiterin Maja Delinic stehen insgesamt 15 Produktionen von Theatermachern aus Deutschland, Spanien, England, den Niederlanden und Östereich sowie Frankreich auf dem Programm. Natürlich geht es auch diesmal um die großen Themen und Emotioonen aus den weltberühmten Werken des britischen Meisters: Macht, Liebe, Verrat und Identität. Ein Höhepunkt ist sicherlich das Stück Yorick, or the Skull der niederländischen Ensembles "Greensleeved", das Solo eines Hofnarren mit Musik und Figurentheater um den Totenschädel von Yorick, der im Drama Hamlet in Hamlets Hand seit Jahrhunderten eine Theater-Ikone ist.

Am 16. Mai beginnen in Mülheim a.d. Ruhr die europaweit renommierten inzwischen 51. Mülheimer Theatertage "Stuecke 2026". Die Veranstaltung läuft bis zum 6. Juni und präsentiert die von einer Jury aus 250 Uraufführungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgewählten die zwölf besten neuen deutschsprachigen Stücke. Sieben Autorinnen und Autoren konkurrieren um den mit 15.000 Euro dotierten Mülheimer Dramatikerpreis 2026, fünf um den gleich dotierten Kinder-Stücke-Preis für Inszenierungen, die sich an Kinder von 6 bis 9 Jahren richten.Zudem gibt es für alle nominierten Stücke, die keinen der Hauptpreise erhalten, ein Nominierungsgeld in Höhe von 3.000 Euro sowie einen mit 5.000 Euro dotierten Publikumspreis. Zum Auftakt der diesjährigen Theatertage werden am 16. Mai die Preise für die letztjährigen Sieger-Inszenierungen vergeben. 

Am 30. Mai geht dann im Theater Münster die diesjährige Ausgabe des Westwind-Theatertreffens für junges Publikum NRW an den Start. Das Festival gilt bundesweit als eines der renommiertesten für junges Publikum und wird jedes Jahr von einem anderen NRW-Theater ausgerichtet. Neben einer Auswahl von zehn Produktionen aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland bietet es diesmal  auch mehrere belgische Gastspiele.sowie ein umfangreiches Programm mit Workshops und Diskussionsrunden. Gastgeber des bis zum 5. Juni dauernden Festivals ist das Junge Theater Münster in Kooperation mit dem echtzeit-Theater in der westfälischen Metropole. Am Ende werden die drei besten Stücke mit jeweils 3.333 Euro ausgezeichnet. 

Vom 3. bis zum 21. Juni  findet in Düsseldorf, Köln, Mülheim/Ruhr und Bochum das diesjährige Impulse-Festival statt. Es präsentiert Performance, Theater und Tanz und gilt seit 35 Jahren als wichtigste Plattform für das Freie Theater im deutschsprachigen Raum. Zu sehen sind insgesamt 10 Produktionen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich. Gefördert wird das Festival unter anderem vom NRW-Kultursekretariat sowie den beteiligten Städten, dem Kulturministerium NRW und der Kunststiftung NRW. In Hürth bei Köln findet vom 18. bis zum 21. Juni  auch noch das Amateurtheater-Festival NRW statt. Unter den Nominierten sind auch zwei Bühnen aus dem Ruhrgebiet. Es handelt sich um die Studiobühne Essen und das So'n Theater Sonsbeck (Kreis Wesel). Diese beiden Bühnen gehen neben sieben weiteren Amateur-Ensembles ins Rennen um den Preis. Aus Düsseldorf ist das Seniorentheater SeTA mit dem Stück Leonce und Lena dabei, so der Amateurtheaterverband NRW mit Sitz in Köln. Die drei erstplatzierten Bühnen werden mit einem Preisgeld von insgesamt 10.000 Euro prämiert.

Schließlich steht auch 2026 das europaweit renommierte Festival Ruhrtriennale auf dem Programm in NRW. Es findet vom 20. August bis zum 20. September statt und bringt insgesamt 31 Produktionen für Theater, Tanz, Musik und Kunst auf Bühnen in Bochum, Duisburg, Essen, Dortmund und Gladbeck. Das Motto "Longing for Tomorrow" (Die Sehnsucht nach dem Morgen) ist vielversprechend. Es gehe bei allem Chaos der heutigen Zeit darum, "die Gegenwart ernst zu nehmen und über sie hinauszudenken", sagte Intendant Ivo Van Hove.