Krieg und Frieden - vocalissime!

Wir kennen die Berichte darüber, das immer dann, wenn Stars wie Farinelli, Senesino oder Caffarelli ihr Koloraturen-Feuerwerk über ihrem Publikum abgebrannt haben, vor allem die Damen reihenweise in Ohnmacht gefallen sein sollen. Vor lauter Begeisterung, ja Erschütterung angesichts solch gewaltiger Ausbrüche. Zwar können wir nicht wirklich wissen, wie der Gesang der bestbezahltesten Kastraten damals geklungen hat – Terry Wey aber lässt uns beim Hören seiner neuen CD erahnen, was der Auslöser für kollektive Kreislaufschwächen gewesen sein wird: atemberaubende und – im buchstäblichen Sinn – umwerfende Virtuosität, gepaart mit einem Höchstmaß an Expressivität. Mit beiden Pfunden muss ganz zweifellos auch der 1685 in Bologna geborene Antonio Bernacchi überbordend gewuchert haben. Terry Wey erweist ihm, der Zeit seines Lebens als der Top-Sänger Italiens galt, mit seinem CD-Programm seine Reverenz. Auf sämtlichen prominenten Bühnen Europas wurde Bernacchi gefeiert, rund dreißig Jahre lang. Für wie viele Ohnmachtsanfälle sein Gesang in dieser Zeit gesorgt hat, ist nicht überliefert. Aber wenn man Terry Wey zuhört, kann man sich lebhaft vorstellen: für viele, sehr viele! Allemal sprachlos lässt uns Wey, dieser vokale Hochleistungssportler Jahrgang 1985, mit dem zurück, was er da an Musik unter anderem von Leonardo Vinci und Pietro Torri, Georg Friedrich Händel und Johann Adolf Hasse präsentiert. Pace e Guerra schreibt der schweizerisch-US-amerikanische Counter als Motto über sein Programm. Und damit sind eigentlich schon sehr griffig die Extrempunkte beschrieben, zwischen denen sich Terry Wey im Hinblick auf Umfang und Ausdruckskraft seiner Stimme bewegt. Es sind auf der einen Seite aberwitzig explosive Koloraturen wie in Lucio Veros titelgebender Arie Pace e guerra oder in Händels Hurrikan Furibondo spira il vento, in dem der wilde Sturm als Bild für die schmerzende Seele besungen wird. Auf der anderen Seite ergießt sich Terry Weys Stimme wie Tautropfen in einen friedlich fließenden Bach, klanglich satt, raumgreifend und dynamisch fein und weit aufgefächert gestaltend – toll!

Dass diese Musik wirklich kaum bekannt ist wundert nicht: die Hälfte der vierzehn Titel sind Ersteinspielungen! Darunter auch einige Duette und ein Terzett, bei denen vokale Prominenz mit von der Partie ist: Vivica Genaux und Valer Sabadus. Da kann nun gar nichts schief gehen. Auch nicht mit dem herausragenden Bach-Consort Wien unter seinem Dirigenten Rubén Dubrovsky. Temperament und Sentiment bekommen da stets die richtige Dosis und machen diese Scheibe zu einem atemberaubenden Erlebnis!