Tropfen auf heiße Steine im Berlin, Deutsches Theater

Liebe, die ins Leere läuft

Dunkel, düster, bedrückend, aber auch irgendwie urkomisch, so kommt Tropfen auf heiße Steine am Deutschen Theater, im Spielraum „Box“, daher. Das Stück stammt aus dem Jahr 1964, als Rainer Werner Fassbinder, knapp zwanzigjährig, dieses absurde Beziehungsgeflecht geschrieben hat. Während der deutsche Ausnahmeautor und -regisseur lebte, kam Tropfen auf heiße Steine nicht zur Aufführung; erst drei Jahre nach seinem Tod feierte das Stück Premiere. Inzwischen ist der Text auch verfilmt worden - im Jahr 2000 von François Ozon.

Man muss sich vorstellen, dass dieser Text im biederen Deutschland der 60er Jahre entstanden ist, als Homosexualität ein totales Tabu darstellte und Mutti und Vati ihren Kindern vielleicht gerade mal die Geschichte von der Biene und der Blume als Aufklärungsangebot machten. In dieser Zeit spielt das Vier-Personen-Stück, aber irgendwie ist das, was Fassbinder sich da ausgedacht hat, doch zeitlos. So nun auch am Deutschen Theater, wo Regisseur Philipp Arnold die Szenerie in einen schwarzen Raum (Bühne: Viktor Reim) sperrt. Protagonist Leopold (grandios: Bernd Moss) , ein fünfzigjähriger Homosexueller, sitzt zunächst in diesem schwarzen Kasten, als sich die Wände von allen Seiten anfangen gegen ihn zu drängen. Es wird eng in seiner Wohnung, und es wird noch klaustrophobischer, als er den deutlich jüngeren Franz (differenziert und überzeugend: Daniel Hoevels) in seine Wohnung lockt.

Leopold hat Franz auf der Straße angesprochen, obwohl Franz mit seiner Verlobten verabredet ist, kann er sich dem Charisma des Älteren nicht entziehen und sitzt alsdann wie ein aufgeregter Teenager neben ihm, nestelt herum, sagt, er müsse jetzt gehen - und bleibt doch. Ja, was finden die beiden aneinander, warum kommen sie zusammen? Ein bisschen scheint es eine Vater-Sohn-Beziehung zu sein, die Fassbinder da skizziert, ein bisschen scheint Franz dem dominanten Leopold ausgeliefert zu sein, denn Franz ist auf der Suche und scheint bei dem Mann irgendetwas zu finden, was ihm seine Verlobte nicht anbieten kann. Die beiden kommen zusammen, doch Leopold entpuppt sich als tyrannischer Typ und die homosexuelle Beziehung als eng, piefig und wenig inspirierend. Die impulsive Spielweise von Moss und die subtile Zurückgenommenheit von Hoevels führen immer wieder zu Knallmomenten, die Spaß machen und das Beziehungsgeflecht absurd und dennoch real wirken lassen. Das Ganze steigert sich, als Anna und Vera (Franziska Machens und Natali Seelig), Franz` Verlobte und Leopolds Exfreundin dazu kommen. Das Wirrwarr ist nicht mehr zu durchschauen, Anna treibt’s mit Leopold und Franz und Vera schauen zu.

Das ist verstörend, heiter, schräg und irgendwie zwangsläufig, was da passiert. Am Ende bleibt Liebe, die ins Leere läuft, und die Idee, ob Fassbinder vielleicht die Frage stellt, gibt es Liebe überhaupt? Überzeugend inszeniert von  Philipp Arnold sollten Fassbinder-Fans und alle, die es noch werden wollen, sich diesen Theaterabend nicht entgehen lassen.