Traurige Zauberer im Haus der Berliner Festspiele

Play Marthaler

„Traurige Besucher“ verballhornten Einige im Herausgehen den Titel des Theaterabends von Thom Luz. Denn auch das Verlassen des Theaterraums erwies sich als arge Tortur: von der für diese Aufführung auf der Hinterbühne errichteten Tribüne durch die rechte hintere Tür und einen besonders engen, winkeligen Gang bis ins Foyer – obgleich es doch, wie in jedem Theater, so auch in der Volksbühne, dem jetzigen Haus der Berliner Festspiele, eine Reihe von Wegen von der Bühne nach Draußen gibt.
In der zweiten Aufführung beim Theatertreffen wurde wenig gelacht über die Clownerien der Zauberer, sieht man ab von jenen Publikums-Lachern und Zwischenapplaus, die über drei große Spulentonbandgeräte im Zuschauerraum als permanente Loops zugespielt wurden.
Aufgrund der Loops war auch nicht auszumachen, was von den Musiken auf den sechs Tasteninstrumenten an den vier Seiten des Hauptbühnenraumes live gespielt wurde und was nicht. Immerhin exerzierten zwei veritable Pianisten die Kompositionen – vornehmlich Charles Ives, aber auch Johann Sebastian Bach, Claude Debussy, Ernesto Nazareth und Rodion Schtschedrin – hier zur „Hintergrundmusik“ erklärt und als eine Art Rummelplatzmusik eingesetzt. Dabei beruft sich der Aufführungstext auf Karlheinz Stockhausen, der in seiner frühen Zusammenarbeit mit einem Zauberer eine derartige Bühnenzauberer-Musik als ein Synchron-Gemisch von Blues und Boogie Woogie zu produzieren versucht haben soll.
Ein witziger szenischer Loop ist der – sich wie auf dem Fließband wiederholende –Auftritt einer Fremdenführerin, die mit ihren Erklärungen die Bühne jeweils von links nach rechts überquert: sie erzählt von sinkenden Kreuzfahrtschiffen und Theaterbränden, von Rivalitäten berühmter Zauberer, wie „Nikola“ und dem „großen Alexander“ – die dann, samt Assistentin/Geliebte/Gattin, im Spiel der DarstellerInnen Ulrike Beerbaum, Leonhard Dering, Vincent Doddema, Antonia Labs, Denis Larisch nachempfunden werden.
Im zweiten Teil des pausenlosen, anderthalbstündigen Abends, wenn sich der vordem fast leere Bühnenraum immer mehr mit Gassen und Garderobetischen angefüllt hat, ist die Luft raus, nicht nur die aus den Nebelkanonen. Trauer macht sich breit – vielleicht auch dies als ein Hinweis auf Christoph Marthaler, an dessen Stil sich die Produktion des Schweizer Regisseurs (und Autors) Thom Luz überdeutlich orientiert.
Vielleicht funktionierte diese Produktion auf der Bühne des Mainzer Staatstheaters besser; trefflicher ist sie, mit vielen Schnitten und Nahaufnahmen, in der 3sat-Aufzeichnung zu erleben (noch in der 3sat-Mediathek).