Peng im Schaubühne

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Ob wir nun wirklich im Zeitalter der Narzissten leben, sollen Soziologen und Psychologen beurteilen. Jedenfalls gehören Narzissten zu jenem Typus Mensch, der nicht nach rechts und links schaut, immer im Recht ist, eine Heerschar Menschen um sich braucht, die ihm zuklatscht, wenn er morgens aus der Dusche steigt und dabei nicht über den Vorleger stolpert. Eigentlich absolut unsympathisch. Aber seltsamerweise extrem erfolgreich.

In der Berliner Schaubühne darf derzeit „Ralf Peng“ in dem gleichnamigen Stück Peng den Prototyp des erfolgreichen Schwachkopfs spielen: Eine Parabel auf die Trumps dieser Welt ist Peng, auf Macher-Menschen, für die es immer nur einfache Antworten auf komplizierte Probleme gibt, die Floskeln raushauen und dafür auch noch gelobt werden, dass sie „Dinge auf den Punkt“ bringen.

Die Claqueure um Peng, alias Sebastian Schwarz, der den comicartigen Antihelden mit Ausdauer und subtiler Aggressivität gibt, sind vor allem seine Eltern. Das ist irgendwie witzig, dass Autor und Regisseur Marius von Mayenburg die Parabel vom Bösen mit pädagogischem Fingerzeig aufzieht. Denn Narzissten fallen nicht vom Himmel, sie sind Produkt unserer Zeit und Ergebnis der Erziehung. Der kleine Peng, der als Riesenbaby auf der Bühne aus einem grünen Ballon schlüpft, hat zunächst seine eigene Schwester im Mutterleib erdrosselt. Warum auch nicht? Schließlich gilt es die Konkurrenz in der Gunst um die elterliche Liebe klein zu halten - und sind es nicht sowieso nur Gutmenschen, die geschwisterliche Feindseligkeit für eine Erfindung irgendwelcher Zyniker brandmarken?  So kommt Peng als gänzlich surreales Produkt einer neben sich stehenden Gesellschaft mitten in sie. Die Eltern halten ihn für hochbegabt und unterschätzt, fördern ihn nach Kräften und reden sich selbst seine Wut- und Pöbelattacken schön. Das Ganze tendiert auf der Bühne irgendwie zwischen wirr und wohl geordnet, denn der Verzerrungseffekt hat Programm: Nichts ist wie es scheint und alles ist genauso real, wie es ist. Trump ist Präsident und nicht mehr TV-Terrorist in seiner Show The Apprentice, der Klimaausstieg beschlossen und Obamacare bald abgeschafft. So ist auch der Aufstieg von Peng beschlossene Sache - bereits im Mutterleib.

Die Schaubühne setzt bei dieser skurrilen Tragöde optisch auf ihren bewährten Formenkanon: Klar darf da die Kamera nicht fehlen, mit der die Schauspieler interagieren und die die Aufnahmen an eine Leinwand projiziert. Dann wird gesungen, gejohlt, hysterisch herumgelaufen, gejammert und argumentiert ­- garniert immer wieder mit kalauernden Querverweisen auf die trumpsche Welt, wenn in die Weichteile gegriffen wird - diesmal allerdings in die männlichen. Peng ist ein anstrengendes Stück, das den Zuschauer mit einem schalen Gefühl zurücklässt, denn reicht es eigentlich nicht, dass wir uns Trump in den Zeitungen und im Fernsehen ansehen müssen? Klar soll Theater das aufgreifen, was gerade los ist, aber ehrlicherweise muss man sagen, dass Peng in einem den Wunsch erweckt, Trump solle schon deshalb nicht noch einmal gewählt werden, damit die Schaubühne ihn nicht länger thematisieren wird.

Das ist ein bisschen wenig, oder sogar sehr viel - wie auch immer man es drehen möchte.