Prolls auf Pferden im Volksbühne Berlin

Glamour mit Abgründen

Wer bei Amazon im Suchfeld „Hollywood Babylon“ eingibt, stößt auf ein Buch des Autors Kenneth Anger, auf dem Titel ist die attraktive Jane Mansfield zu sehen, das Dekolleté tief ausgeschnitten und den Blick freigebend auf ihre Brüste. Einiges verrutscht ist da nicht nur auf dem Titelbild, denn Anger beschreibt in seinen kurzen Geschichten über das Hollywood - insbesondere der Anfangsjahre - ein bizarres Treiben. Das Spähen durchs Schlüsselloch zeigt: Die Stars und Sternchen der Traumfabrik sind zumeist hoch komplizierte Charaktere, zerrissen von Selbstzweifeln und süchtig nach Aufmerksamkeit.

Ob sich die jungen Theatermacherinnen und Theatermacher Elias Geißler, Josefin Fischer und Pauline Wedler von dem Buch Angers inspirieren ließen, ist indes nicht bekannt. Gelungen ist ihnen mit der Produktion Prolls auf Pferden jedenfalls eine amüsante und unterhaltsame Collage auf das Filmbusiness und die Protagonisten, die sich in selbigem tummeln.

Auf einer kleinen Bühne der Volksbühne ist goldenes Lametta aufgehängt, Schlagzeuger, Gitarrist und Keyboarder (The Twice Sustain, Fee Aviv Marschal) stimmen dahinter larmoyante Töne an. Mit dem Rücken zum Publikum sitzt eine Frau, ihr Gesicht wird spiegelbildlich über der Bühne eingeblendet. Doch sie wird nicht die einzige Figur bleiben, die schlaglichtartige Impressionen auf das Showbiz offen legen wird.

Mit Gefühl für Timing und dem Geschick, eine leicht morbide Stimmung herzustellen, lassen Geißler, Fischer und Wedler die Schauspielerinnen und Schauspieler ihre irre Gagashow aufführen: Es wirken mit und überzeugen mit korrekter Aussprache und der Darstellung heftiger Gefühlsschwankungen: Lais Castro Reis, Bruno Elias, Julius Franke, Mateo Franke, Judith Gailer, Emil Heusinger, Carolin Hof, Salome Kießling, Robert Knorr, Marlene Kommallein, Luis Krummenacher, Celine Meral, Celine Meral, Konrad Muschick, Kaya Müntz, Richard Rothfeld, Edith Saldanha, Luzie Scheuritzel, Johanna Schäfer-Asch.

Auf der Cocktailparty drehen sich die Gespräche des Schauspielvolks um den letzten Hollywood-Skandal: Die Stummfilmschauspielerin Virginia Rappe stirbt auf einer Party des Stars „Fatty“ Arbuckle - sein Spitzname ist Programm, reich an Körperfülle soll er die hübsche Virginia gar zerquetscht haben?

Das Karussell dreht sich weiter, die Stars und Sternchen bleiben einsam und brauchen sich doch gegenseitig, um vom Glanz des anderen zu profitieren. Platziert in den Berliner Hedonismus scheint der Rückblick auf das Hollywood der Anfangsjahre nichts an Lebensbezug verloren zu haben.