Jeff Koons im Schaubühne Berlin

Das Ich und die Kunst

Klar, wenn man ein Stück über Jeff Koons, den Erfinder der Kitsch-Kunst und irren Selbstvermarktung besucht, ist man auf einiges gefasst: nackte Brüste, glänzende Luftballons, Technobeats und was sonst halt noch so glitzert, glamoured und nicht bei drei auf den Bäumen ist, wenn der Champagner geköpft wird.

1998 veröffentlichte Rainald Goetz seinen erfolgreichen Konglomerat-Text zu Koons. Koons gilt seit 2013 mit der Versteigerung eines „Balloon Dog“ für 58,4 Millionen US-Dollar im New Yorker Auktionshaus "Christie’s" als der teuerste lebende Künstler der Welt.

Leider schaffen es weder Text noch Regisseurin Lilja Rupprecht über die - teilweise doch arg stereotype - Aneinanderreihung von Künstlerklischees hinauszuwachsen. Zunächst sind da nur Leinwände: rechts eine, links eine. Auf der rechten ist Koons in verschiedenen Posen zu sehen. Immer smart und akkurat gekleidet, sieht er eher aus wie aus seinem ersten Brokerleben entsprungen und nicht wie ein Kreativer, der die Welt mit seiner Kunst zum Staunen bringt.

Aber tut er das überhaupt? Vieles von dem, was Koons in seiner Fabrik erzeugt hat, erinnert an Artefakte der Moderne, so übertrieben hohl, dass die zynischen Preise, die die Kunstkenner für Koons‘ Ballons, Hunde oder Jackson-Porzellanpuppen zahlen, den gesunden Menschenverstand außer Kraft setzen.

Auf der linken Leinwand flirtet die blutjunge und exzentrische Cicciolina, bürgerlich „Ilona Staller“ mit dem Publikum. Gehüllt in dünne Stöfflein und mit einem Kränzchen auf den gescheitelten, blonden Haaren, wirkt Staller wie ein Fabelwesen. Staller und Koons waren dann auch das Künstlerpaar schlechthin, und die Frage, was diese beiden Menschen aneinander fanden, wirkt an der Schaubühne umso drängender.

Aus den Lautsprechern lässt Romain Frequency laute Musik ertönen: „IchIchIchIchIchIchIchIchIchIchIchIchIchIch“ schallt es ins Publikum und irgendwie scheint klar, was jetzt kommt.

Die Schauspieler haben sich in irre, teilweise amorphe Kostüme gequetscht und die Party kann beginnen. Damir Avdic, Iris Becher, Kay Bartholomäus Schulze, Lukas Turtur treten in wechselnden Rollen auf. Kay Bartholomäus Schulze etwa mit zotteliger Langhaar-Perücke als Beltracci-Verschnitt. Im Rausch schmiert er Farbe auf eine Art Leinwand, die Claqueure sitzen drum herum und trinken Sekt und irgendwann muss auch dieses Kunstwerk dran glauben: Im Überschwang wird es einfach kaputtgerissen. Die Party geht selbstverständlich weiter, und zwischen Trash, Türsteherszene und wilder Selbstzerstörung bleibt die Frage, ob da noch etwas mehr ist als der Hedonismus, aus dem diese Kunst entsteht.

Wahrscheinlich schon! Aber um das zu erfahren, müsste man ein anderes Stück besuchen.