He? She? Me? Free. im Schaubühne Berlin

Viele Lacher, mehr oder weniger Tiefgang

Doch, das hat Patrick Wengenroth gut hingekriegt. Der Parcours durch die Geschlechterklischees und modernen Zugriffe auf Sexualität gelingt. Viele Lacher sind auf der Seite von He? She? Me! Free.

Tja, die Varianz in Bezug auf die eigene Geschlechtsidentität ist beschränkt, wenn man auf dem schwäbischen Alb weilt. Vieles von dem, was in dem aktuellen Stück gesprochen wird, erscheint im liberalen Berlin irgendwie wie das Schallen aus einem Paralleluniversum. Zum Beispiel, wenn eine Schauspielerin die unterdrückte Frau gibt, der es gesetzlich verwehrt wird, sich scheiden zu lassen. Die absolut sympathische und locker aufspielende Schauspielertruppe (Bernado Arias Porras, Iris Becher, Matze Kloppe, Eva Meckbach, Ruth Rosenfeld, Patrick Wengenroth) zaubert für die Besucherinnen und Besucher einiges aus dem Unterhaltungshut: Larmoyante Gitarrenriffs, angeklebte Bärte zu schwarzen Lack-Pumps, schwingende Chansons „Du lässt Dich gehen!“, spritzige Dialoge, Wirrwarr um das, was man ist oder glaubt, sein zu können.

Okay, die Einschätzungen am Stehtisch nach der Premiere gehen alle in eine Richtung: Ironisch, mit dem Florett gefochten, subtil, unterhaltsam, trotz oder gerade wegen dem einen oder anderen Peniswitz.

Dennoch sei die Frage gestattet, was uns die Thematisierung von Homo-, Hetero-, Trans- und Metro-Gender-Fragen im aufgeklärten Heute sagen soll? Vielleicht einfach: Sei du selbst, mit oder ohne Penis oder Vagina.