The Human Condition im Schaubühne Berlin

Was den Tag so ausmacht

Immer wieder kriegt es die Schaubühne – gerade in ihren Inszenierungen im kleineren „Studio“ - hin, tief intellektuellen Stoff, den sich unsere Starautoren so ausdenken, wenn sie über Mensch-Sein, Welt, Liebe, Krieg, Versöhnung, Geld und Werte nachgrübeln, auf leichte, ironische und witzige Art und Weise aufzubereiten: Dann wird gesungen, getanzt, improvisiert und die Szenen neu gemischt.

Jetzt also Hannah Arendt, die über Vita activa reflektiert hat. Worum geht’s? „Mit dem Wort Vita activa sollen im Folgenden drei menschliche Grundtätigkeiten zusammengefasst werden: Arbeiten, Herstellen und Handeln. Sie sind Grundtätigkeiten, weil jede von ihnen einer der Grundbedingungen entspricht, unter denen dem Geschlecht der Menschen das Leben auf der Erde gegeben ist.“

Die Darsteller an der Schaubühne bereiten den Text mit viel Gespür für die Situationen auf, auch wenn es hier und da eher eine Aneinanderreihung der Szenen ist und ein Spannungsbogen oder eine übergeordnete Idee fehlt. Es erinnert ein bisschen an eine Schauspielschule, wenn die fünf Schauspielerinnen und Schauspieler mit Klappstühlen die Bühne betreten. Impro zu Arendt?

Im Mittelpunkt rückt die Inszenierung in verschiedenen reflektierenden Rollen immer wieder Hannah Arendt, die große Schriftstellerin und gut, ja, vielleicht kommt es manchmal doch etwas klamaukig daher, wenn die Truppe sich um Witz und Leichtigkeit bemüht.

1958 erschien ihr Buch The Human Condition auf Englisch, 1960 auf Deutsch unter dem Titel Vita activa oder vom tätigen Leben. Arendt stellt in diesem Text Überlegungen zur aktuellen Arbeitswelt an, setzt sich mit der Automatisierung von Jobs auseinander, fragt, was wir mit der gewonnenen Freizeit machen? Es ist schon ein wenig ulkig, dass Arendt sich bereits vor Jahrzehnten mit dem auseinandergesetzt hat, worüber sich heute noch die Politikerinnen und Politiker den Kopf zerbrechen. Insofern kommt das Thema nicht ganz ohne Patina aus, die auch der Regisseur mit seinem Zeitgeist-Anstrich wegzuzaubern vermag.

Patrick Wengenroth konzentriert sich auf die witzigen Teile des Textes und sicherlich kommt der intellektuelle Tiefgang hier und da zu kurz. Aber gut, vielleicht wird das Thema Arbeitswelt in Deutschland auch einfach etwas überstrapaziert – welchen Stellenwert der Besuch der Schaubühne innerhalb der eigenen „Work Life Balance“ hat, muss dann wohl jeder selbst entscheiden.