Regime der Liebe im Berlin, Deutsches Theater

Alles geht, nix klappt

Am Deutschen Theater mit seinen vielfältigen Spielstätten ist man bekanntlich offen, auch mal Neues zu probieren, dem Theater-Nachwuchs eine Plattform zu geben und nicht nur auf das zu setzen, was „eh schon läuft“.

theater:pur findet das prima und berichtet regelmäßig über diese Vielfalt. Einen echten Watschen kassiert das Deutsche Theater nun allerdings zumindest von „rbb Kultur“ für die Produktion Regime der Liebe von Tanja Sljivar - die Rezensentin Barbara Behrendt findet: Regime der Liebe ist nur für den „internen Gebrauch“ am Deutschen Theater geeignet.

Ich schließe mich dieser Meinung nicht an und finde: Gut, dass es das Deutsche Theater immer wieder hinkriegt, Eitelkeiten beiseite zu lassen und auch dem kreativen Nachwuchs eine Chance gibt. Denn Regime der Liebe wird von der jungen, 1991 geborenen Nazanin Noori inszeniert - und das kommt bei der ausverkauften Premiere gut an!

Wir leben in einer Zeit, in der Beziehungen über Internet, Tinder und Handy ebenso schnell aufgebaut wie aufgelöst und abgebrochen werden. Viele Studien bestätigen: Die allgemeine Bindungsfähigkeit lässt nach!

Die erfolgreiche Theater-Frau Šljivar entwirft in ihrer „Komödie“ ein irgendwie krudes Durcheinander zwischen den „Versuchsanordnungen“ „offene Zweierbeziehung“, „Liebe zu dritt“ bis zu „Polyamorie“. Diesen Konstellationen stellen sich die zwei Probanden (Caner Sunar, Jan Breustedt) im direkten Nahkampf. Die Schauspieler haben sich Kit-Kat-Club-artige Kostüme angezogen und Perücken, die ihnen lange Haare schenken - dass die Grenzen zwischen bürgerlicher Liebe zwischen Mann und Frau nun irgendwie aufgelöst wird, ist klar. Im Regime der Liebe geht es dann brutal zu, verbal und auch beeindruckend körperlich. Das Ganze gesetzt in ein Sado-Maso-Kämmerchen, in das passend gegen Ende der Aufführung ein rothaariges Domina-Vollweib (Maral Keshavarz) stolpert.

Zwischen Techno-Show und brachialem Argumentieren rund um die Liebe zeigt der Stoff vor allem eines auf: In Zeiten von „alles ist möglich“ klappt erst recht nix!