Blood Moon Blues im Maxim Gorki Theater

Nubischer Steinbock hat sich ins Gorki-Theater verirrt

Das Gorki Theater setzt mit Blood Moon Blues aktuell einen leicht skurrilen Kontrapunkt zur tradierten Themensetzung in der Berliner Theaterlandschaft: Da geht es ja meistens um aktuelle gesellschaftliche Themen, wie das Gendern, Umweltverschmutzung, Frauenrollen oder das Theater selbst, etwa wenn René Pollesch mal wieder mit einem seiner selbstreferentiellen Stücke niedergekommen ist. Nun also Blood Moon Blues von Yael Ronen und Orit Nahmias, die am Gorki Theater immer wieder mit spannend-abseitigen Plots für Aufsehen sorgen.

Wobei theater:pur schon bei der nächsten Frage wäre: Ob Blood Moon Blues wirklich spannend und innovativ, oder nicht eher als leicht läppisch und irgendwie vordergründig, mit wenig Tiefgang, zu bewerten ist?

Es geht um den „nubischen Steinbock“, um allerlei Esoterik-Brimborium, Figuren, die mehr wie Comicfiguren gezeichnet werden, einen Ashram, eine Krebserkrankung und den Umgang damit.

Vielleicht suchen wir alle im Zuge von Corona und einer weltweiten Pandemie nach (neuen) Sicherheiten, die gerade in den modernen westlichen Demokratien infrage gestellt wurden und sind insofern offener als sonst, uns mit den Mächten des Universums und dem, was es sonst noch zwischen Himmel und Erde so gibt, auseinanderzusetzen.

Jedenfalls lässt die Querdenker-Bewegung erahnen, dass viele Menschen nach mehr suchen, als dem, was in die Impf-Aufklärungsbögen von der Pharmaindustrie rein getextet wurde.

Nun also das Thema Selbstfindung und Eso-Egotrip: Die Hauptfigur Ellinor, eine Schriftstellerin um die 50, hat ihre Tochter Luna (Medizinstudentin) und ihre Lebenspartnerin Gabriella (zugleich ihre Psychotherapeutin) in die israelische Wüste eingeladen. Die Truppe bereichert dann noch der neue „Soulmate“ Greg, der mit Ellinor nicht nur meditieren darf.

Zunächst trumpft der Plot als durchaus witzig-selbstironisches Durcheinander aus Phrasen aus der Hippie-Szene auf: Aysima Ergün, Do?a Gürer, Orit Nahmias, Vidina Popov spielen leicht, aber halt auch wenig facettenreich.Ernsthafter wird es, als das Thema „Krebs“ und der Umgang mit dieser schweren Krankheit hinzu kommt. Dann scheinen sich bekannte Erkenntnisse auf das Lebenspraktische herunter zu brechen und hier und da zu entzaubern.

Ein origineller Theater-Abend, der letztlich aber in klamaukiger Eso-Beliebigkeit versuppt.