Fast ganz die Deine - Monolog und Songs über die Liebe im Berlin Theater unterm Dach

Fein ausgearbeitetes Gefühl

Meist „klein aber fein“ könnte man die Produktionen nennen, die die freie Bühne „Theater unterm Dach“ ihren Zuschauer*innen offeriert. Dabei können die Inszenierungen oft mit denen an den kleineren Bühnen der etablierten Theater in Berlin wie dem Deutschen Theater oder dem Berliner Ensemble mithalten.

Nun also mal wieder was fürs Herz und Gefühl und für alle, die feinsinnige Monologe, Innenschau und differenzierte Aufarbeitung von autobiografischen Einblicken ins Ich mögen.

Der Text Fast ganz die Deine stammt von der Französin Marcelle Sauvgeot (1900 bis 1934). Die von ihr in einem Sanatorium verfassten Briefe an ihren Geliebten werden erst nach ihrem Tod veröffentlicht.

Marcelle erreicht im Sanatorium die Nachricht ihres Exfreundes „Ich heirate, unsere Freundschaft bleibt!“, sie antwortet: „Glauben Sie, dass das nötig ist?“

Hieraus entspinnt sich ein bitterer, oftmals trauriger Monolog, sensibel und vehement dargestellt von Maj-Britt Klenke. Livemusik steuert Almut Lustig bei.

Das Kreisen um die Trauer einer verlorenen Liebe, die Spiegelung an patriarchalen Strukturen und gesellschaftlichen Ungleichheiten machen den Text und die Inszenierung der „Polyformers“ (kreieren freie Theaterprojekte) zu einer modernen und gleichzeitig nostalgischen Show.

Dem Publikum im „Theater unterm Dach“ gefiel der sorgsam bearbeitete Text.