Baracke im Berlin, Deutsches Theater

Nachdenklicher Blick auf eine entzauberte Generation

Volle zehn Punkte gibt es für Baracke von Rainald Goetz und die Inszenierung von Claudia Bossard am Deutschen Theater Berlin. Quasi kongenial trumpft das textlich und ästhetisch starke Werk auf: Brachial, witzig, tiefsinnig und sensibel.

Goetz, der scharfsinnige Chronist seiner Zeit, schafft es, aus einer quasi entzauberten Generation etwas Neues zu schaffen: Mit Ironie und Menschenkenntnis, die er in seinen Text eingebracht hat, dröselt er auf, warum die Dinge so sind, wie sie sind – und nicht anders!

Eine Clique von Jugendlichen aus dem thüringischen Krölpa, um 1977 geboren, die Liebe findet sich und trennt sich wieder. Bea und Ramin, ein modernes Paar.

Jeremy Mockridge spielt berührend den Supersoftie und Bea (ebenfalls sehr überzeugend: Mareike Beykirch) buttert ihn, wie das moderne Frauen so machen, nonstop runter. Mit dem Blick eines verletzten Mannes, der die Abwertungen seiner Freundin dauerhaft nicht erträgt, schaut Ramin gänzlich hoffnungslos aus der Wäsche.

Ein anderer übernimmt seinen Platz, ein ganz anderer Typ und Gegenmodell zu Ramin. Bittersüß und mit Fingerspitzengefühl zeichnet Goetz diese Generation nach und gibt ihr eine Stimme.

Es geht dabei in Baracke nicht nur um „Beziehung“, sondern auch um den rechtsradikalen NSU. Das Milieu, in dem sich die Geschichte bewegt, wird sprachlich wie charakterlich von Goetz fein säuberlich heraus gearbeitet.

Goetz zieht mit Reflexionen und Analogien ins Spitzweg-Idyll eine weitere Bedeutungs- und Handlungsebene ein. Auch hier arbeitet er Charaktere fein säuberlich heraus, pointiert, ironisiert und findet treffsicher den richtigen Ton.

Das attraktive und einfach schöne Bühnenbild von Elisabeth Weiß ist in sich stimmig und kreiert den richtigen Hallraum für Goetz' nachdenkliches Zeitgeist-Stück.