Jung und suchend
Ob der Dichter Wolfram von Eschenbach, um 1170 in Franken geboren, gedacht hätte, dass sein Parzival auch 2025 noch durch die Weltgeschichte geistert, auf der Suche nach dem heiligen Gral kurzzeitig die Ritter der Tafelrunde trifft, allerlei Prüfungen bestehen muss? Wahrscheinlich nicht.
Glauben Literaten nicht, mit der Durchdringung gesellschaftlicher Zusammenhänge Menschen zum Nachdenken anregen zu können, bestenfalls zu Änderungen im Verhalten beizutragen und dadurch poetisch aufgezeigte Probleme lösen zu können? Eschenbachs Parzival ist ein verrätseltes und vieldeutiges Werk, pathetisch und intelligent zugleich. Es verknüpft Themen aus dem Reich der Mythen mit Fragestellungen der höfischen Gesellschaft.
"Was bedeutet es heute, ritterlich zu handeln? Was prägt unser Denken und unsere Taten, wenn Elternhaus und Schule keine zufriedenstellenden Antworten mehr geben? Wem hören wir zu – und wer hört uns?", schreibt das Deutsche Theater zu dieser Inszenierung des jungen Theaters, das auf eine Auseinandersetzung von jungen Menschen mit interessanten textlichen Stoffen setzt.
Und ja, das haben Isaak, Sky, Jakob, Josephine, Toni, Esma, Luzie, Paul, Luda, Viktor und Johnny gut gemacht: Ovationen im Stehen für dieses selbstbewusst aufspielende Sinnsuche-Team aus unterschiedlichen Charakteren und Lebenslauf-Hintergründen.
Joanna Praml und Dorle Trachternach haben den Text mit Gespür für Zeitgeist genutzt, überarbeitet sowie mit aktuellen Gedanken ergänzt. Eine sensible und kraftvolle Hommage an Eschenbach. Absolut sehenswert, auch für Nicht-Sinnsuchende!