Übrigens …

Zum 100. Geburtstag von Martha Mödl

Wilhelm Furtwängler rühmte ihre Stimme als „Zauberkasten“ und traf mit dieser ungewöhnlichen Beschreibung das, was die ungewöhnliche Kunst Martha Mödls auszeichnete. Am 22. März 2012 wäre die in Nürnberg geborene Künstlerin 100 Jahre alt geworden. Von „dunkel strömend“ bis „majestätisch gegürtet“ reichen die Attribute für ihre Gesangskunst, die nie poliert, nie als klanglicher Selbstzweck, sondern stets als Resultat einer absoluten Rollenidentifikation zu erleben war.

 

Diese außerordentliche stimmliche und darstellerische Intensität brachte Martha Mödl nach ihrem Bühnenstart an deutschen Stadttheatern 1951 zu Wieland Wagner nach Bayreuth und von hier aus in die ganze Welt. Doch obwohl sie als Brünnhilde, Isolde, Kundry, Eboli, Azucena, Elektra und in vielen anderen, auch zeitgenössischen Partien in Wien, Paris, New York oder Mailand ständig gefragt war, blieb sie ihren „Heimat-Theatern“ zeitlebens verbunden. Neben Stuttgart gehörten dazu vor allem Düsseldorf und die Deutsche Oper am Rhein.

 

Hier begann sie 1945 mit Dorabella  in Mozarts Così fan tutte, Niklaus in Hoffmanns Erzählungen und Carmen und eroberte sich Schritt für Schritt das dramatische und hochdramatische Fach. Giselher Klebe komponiert für sie die Partie der Mutter Bazouge in seiner 1995 hier uraufgeführten Oper Gervaise Macart Auch Wolfgang Fortners Bluthochzeit und Peter Eötvös‘ Drei Schwestern waren Neuproduktionen, für die sie von Kurt Horres bzw. Tobias Richter in späteren Jahren engagiert worden war. Es ist bezeichnend für ihre Bühnennatur und ihren Hang zur Verausgabung, dass sie noch kurz vor ihrem Tod im Dezember 2001 in Mannheim die Gräfin in Tschaikowskys Pique Dame sang und in Düsseldorf als Golde in Anatevka zu erleben war. Martha Mödl ist vielleicht der berühmteste, keineswegs aber der einzige Name, der mit der Deutschen Oper am Rhein verbunden war und ist, auch nachdem er in der internationalen Opernwelt hell zu leuchten begann.