Übrigens …

Bolat Atabajew verhaftet

Fünf Jahre ist es her, seit wir im Theater an der Ruhr in Mülheim die „Lady Milford aus Almaty“ kennenlernen durften. Der Aufführung des Deutschen Theaters Almaty, die dessen früherer Leiter Bolat Atabajew inszeniert hatte, lag eine wahre Geschichte zugrunde: Eine der besten Schauspielerinnen Kasachstans, eine Russland-Deutsche, war nach Deutschland ausgewandert und hatte hierzulande nur als Putzfrau Beschäftigung gefunden. Atabajew, der für seine regimekritischen Inszenierungen in Kasachstan bekannt war, thematisierte in dieser Aufführung die Diskriminierung Russland-Deutscher in der Bundesrepublik.

Bereits zum damaligen Zeitpunkt drang Kunde aus Kasachstan, dass das Deutsche Theater Almaty, früher eines der innovativsten des Landes und eines der politischsten dazu, unter neue Leitung gestellt worden war und mittlerweile viel angepasster agierte. Am 15. Juni 2012 wurde Bolat Atabajew nun wegen angeblicher Anstiftung zu sozialer Unruhe und „Aufwiegelung des Volkes“ verhaftet. Atabajew hatte Sympathie für die streikenden kasachischen Ölarbeiter bekundet und in seinem Drama Die Lawine die mangelnde Meinungsfreiheit in seinem Land kritisiert. In der Lawine ist jeder Laut vom Staat verboten; selbst der Schrei eines Neugeborenen wird zum Verbrechen.

Roberto Ciulli, Leiter des Theaters an der Ruhr, und Volker Schlöndorff, für dessen Film Ulzhan Atabajew als Co-Autor fungierte, haben in Offenen Briefen an die Richter und den kasachischen Botschafter gegen die Verhaftung des kasachischen Regisseurs und Theatermachers, der am 28. August in Weimar mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet werden sollte, protestiert. Möge der Schrei der deutschen Kulturschaffenden in den Ohren des kasachischen Regimes nicht verhallen. – Dietmar Zimmermann

Zum offenen Brief von Volker Schlöndorff geht es hier

Foto: Goethe-Institut/Barbara Fraenkel-Thonet