Theater an der Ruhr präsentiert Theaterlandschaft Südeuropa
Das für seine politische Theaterarbeit international bekannte Theater an der Ruhr in Mülheim präsentiert ab dem 25. April aktuelle Bühnenstücke aus Griechenland, Spanien und Italien. In der Reihe Theaterlandschaft Südeuropa geht es mit den politisch brisanten Produktionen um die soziale und wirtschaftliche Situation der Gesellschaften im südeuropäischen Mittelmeerraum. Dabei spiele die Schuldenkrise ebenso eine Rolle wie die unablässig fortgeschriebene Flüchtlingstragödie auf dem Mittelmeer.
Junge, aufregende, innovative Gruppen aus Griechenland oder Spanien sind in den letzten Apriltagen genauso in Mülheim/Ruhr zu entdecken, wie renommierte Theatergruppen aus dem italienischen Ravenna. Theaterleiter Roberto Ciulli freut sich zudem, mit der Sizilianerin Emma Dante erstmals einen großen Regiestar aus Italien zu Gast zu haben. Das Rahmenprogramm des Auftaktwochenendes sieht zudem hochkarätige Gesprächsrunden zu den aktuellen Themen der Stücke vor, unter anderem mit Navid Kermani.
Bis zum 30. April wird im Theater an der Ruhr gezeigt, wie sich Künstler aus den verschiedenen betroffenen Ländern zu den drohenden oder bereits eingetretenen sozialen Verwerfungen in ihrer jeweiligen Heimat sowie dem Migrationsdruck aus den arabischen und afrikanischen Ländern verhalten. Aus der griechischen Hauptstadt Athen bringt die Blindspot Theatre Company das Stück X-Tokio auf die Bühne. Aus Madrid reist die Companía la Increíble mit dem Stück Die unglaubliche Geschichte des Mädchens, das Letzte wurde an die Ruhr. Aus Italien kommen zwei Theatergruppen. Die Compagnia Sud Costa Occidentale aus Palermo präsentiert Die Schwestern Macaluso und das Theatro delle Albe aus Ravenna zeigt Wassergeräusch.
Letzteres Stück von Marco Martinelli entstand bei Recherchen in italienischen Auffanglagern für Flüchtlinge. Im Zentrum steht ein geradezu diabolischer Offizier, der auf einer kleinen, fiktiven Insel zwischen dem afrikanischen Kontinent und Italien zu Zeugen und zum Buchhalter der Flüchtlingstragödien auf dem Mittelmehr wird. Für ihn scheinen all die angespülten Toten, die er zählt und auflistet auch nur „Teil einer Brandung zu sein, die sich an der Festung Europa bricht“. – Andreas Rehnolt