Youl’ll never walk alone

Vor einem Jahr kam auf tragische Weise der langjährige Solotänzer im Ballett Schindowski, Rolf Gildenast (1965 – 2012), in Irland ums Leben: Er stürzte bei einem Unfall an der Felsenküste in den Tod. Freunde, Kollegen und Förderer widmeten ihm in Kooperation mit dem Musiktheater im Revier eine bewegende und hochwertige Hommage: eine Erinnerungsfeier mit literarischen, musikalischen, tänzerischen und pantomimischen Beiträgen. Vertreten waren u.a. der Pianist Michael Gees, die Autoren Prof. Heinz-Albert Heindrichs, Heinz Stein und Inge Meyer-Dietrich, der Liedermacher Mario Stork, die MiR-Ensemblemitglieder Anke Sieloff und William Saetre, Claudia Lüke (Bühne, Installation), Ex-Generalintendant Ludwig Baum (szenische Improvisation), der Sänger Ulli Wewelsiep, der Cellist Mark Mefsut, der Pianist Salvador Caro und – als Höhepunkt – Bernd Schindowski mit der Uraufführung seiner Choreographie …für Rolf, getanzt von Priscilla Fiuza in einem großen Solo. Generalintendant Michael Schulz begrüßte Solisten und das  Publikum. Er erinnerte an die starken Auftritte des populären Künstlers, der nach seinem Ausscheiden aus der Compagnie eine zweite Karriere als multimedialer Performer (Tanz, Musik, Literatur, Theater, Kunst) startete und sich überregional einen hervorragenden Namen machen konnte.

Das musikalische Motto dieser ausverkauften Veranstaltung im Kleinen Haus lautete: Youl’ll never walk alone – wer bei diesem Song jedoch die Jubelgesänge der Fußballfans von der Anfield Road in Liverpool vermutete, lag falsch. Dieser Hit, der aus den 40-er Jahren stammt, besingt ursprünglich die Hoffnung einer jungen Frau, deren Mann stirbt. Und so passte dieser Hammerstein-Hymnus ideal zu der konkreten Situation um den Unfall von Gildenast. In einer Laudatio erwähnte Kulturdezernent Dr. Manfred Beck die Stationen und die großen  solistischen Partien des Tänzers (Gilgamesch) und dessen die Genres sprengenden Solo-Stücke über Faust, Hildegard von Bingen, über Tanz in der ganzen Welt oder über Siegfried und andere mythologische Helden.

In einem ebenso kontrastreichen wie emotional anrührenden Programm, das mit einem Filmausschnitt aus dem Oratorium Adam (mit Rolf Gildenast) von Gregor Linßen begann, überraschte schließlich der langjährige Ballettdirektor Bernd Schindowski mit seinem Beitrag: Er vermischte einen brillant getanzten Live-Act (Priscilla Fiuza) mit einem gefilmten Video-Auftritt Rolf Gildenasts – so wurde er noch einmal virtuell in dem Hause präsent, das ihm so viele große Ballettmomente verdankt.

In der Abschlussmoderation hieß es nach einem Zitat von Augustinus, dass der Mensch tanzen sollte – dann könnten die Engel im Himmel später etwas mit ihm anfangen. Auf Gildenast übertragen: Er wird „dort oben“ weiter tanzen.